Ausgabe: 01/2012
Der Biostatistiker James Ware und die der Schriftleitung des New England Journal of Medicine angehörende Internistin Mary Beth Hamel beschäftigen sich in ihrem Artikel mit der Übertragbarkeit von Studienergebnissen auf die tägliche medizinische Praxis. Dabei unterscheiden sie kontrollierte klinische Wirksamkeitsstudien (im Englischen: „efficacy trials“) von so genannten pragmatisch angelegten Studien (im Englischen „pragmatic“ oder „practical trials“). Kontrollierte klinische Wirksamkeitsstudien (= verblindet, randomisiert usw.) zeichnen sich nach Ware und Hamel beispielsweise durch gezielte Patientenauswahl, strenge Standardisierung der erfassten Therapien und Kalibrierung der beteiligten Ärzte aus. Dadurch wird der Therapieablauf in einer quasi „künstlich“ geschaffenen Umgebung so rigide strukturiert, dass die Ergebnisse der Untersuchungen nur bedingt auf die Diversizität und Komplexität der täglichen Praxis übertragbar sind. Pragmatisch angelegte Studien haben das Ziel klinisch relevante Fragestellungen abzuklären, wie z.B. welche von zwei oder mehr Alternativtherapien besser wirkt. Sie finden in der Regel im täglichen Klinikalltag statt. Deshalb findet man hier einen typischen Patientenmix und alle potentiellen Störeinflüsse, die man in der realen Patientenversorgung auch hat. Damit besteht bei den Ergebnissen solcher Studien immer das Risiko eines Bias unbekannter Größe. Die Autoren geben ausführliche Hinweise, was bei pragmatisch angelegten Untersuchungen zu berücksichtigen ist, um zu verwendbaren Ergebnissen zu kommen. So benötigen diese Untersuchungen beispielsweise meist große Patientengruppen, um eine seriöse Statistik zu ermöglichen. Trotz aller Unzulänglichkeiten der pragmatisch angelegten Studien, die jeder wissenschaftlich kritisieren wird, können die Studienergebnisse für den Kliniker eine wichtige Entscheidungshilfe darstellen.