Wissenschaft

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Jahrgang: 2012 | 2011 | 2010 | 2009
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Originalarbeiten
Ausgabe: 01/2012
Einfluss der basalen Verblendschichtstärke auf die Frakturfestigkeit voll- keramischer Inlaybrücken
D. Farhan, M. Alai-Omid, D.R. Reißmann, P. Rammelsberg

Einführung: Ziel dieser Studie war es, den Einfluss der Verblendschichtstärke an der basalen Seite des Brückengliedes auf die Frakturfestigkeit von vollkeramischen Inlaybrücken auf Zirkoniumdioxidbasis zu untersuchen.

Material und Methode: Definierte Inlaykavitäten wurden in einen ersten unteren Prämolaren und in einen zweiten unteren Molaren präpariert. Die okklusalen Kavitäten maßen 2mm in der Breite und Höhe. Die approximalen Kästen waren zudem 5mm hoch. Es wurden Duplikate der Zähne aus einer Co-Cr-Legierung gegossen, die Wurzeln mit einem Schrumpfschlauch zur Imitation von physiologischer Beweglichkeit versehen und anschließend in einen PMMA-Sockel zur Simulation des Fehlens eines Prämolaren und Molaren eingebettet. 40 vollkeramische Brückengerüste wurden mittels CAD/CAM-Verfahren hergestellt und anschließend mit einer Presskeramik (Ivoclar/ Vivadent/ Lichtenstein) verblendet. Alle Brückengerüste entsprachen derselben Dimension und Größe. Die 40 vollkeramischen Brücken wurden in vier Gruppen geteilt und mit verschiedenen Verblendschichtstärken an der basalen Brückenseite verblendet. Dabei war die basale Fläche bei der Gruppe B-0 unverblendet, bei der Gruppe B-1 mit 1mm und bei der Gruppe B-2 mit 2mm verblendet. 10 vollkeramische und gänzlich unverblendete Gerüste bildeten die Gruppe G und 10 metallkeramische Inlaybrücken fungierten als Kontrollgruppe MK. Alle Brücken wurden mit Variolink II zementiert (Ivoclar/ Vivadent/ Lichtenstein). Nach einem künstlichen Alterungsprozess mit Thermocycling zwischen 6,5°C und 55°C und anschließenden 600.000 Kauzyklen wurden die Brücken von einer anfänglichen Grundbelastung von 50N aus bis zum Bruch belastet.

Ergebnisse: Alle Brücken überstanden die künstliche Alterung ohne Beschädigung oder Dezementierung. Die Frakturfestigkeiten der Brücken lagen bei 647N (SD: 123) für die Gruppe B-0, 716N (SD: 102) für die Gruppe G, 812N (SD: 48) für die Gruppe B-1, 934N (SD: 129) für die Gruppe B2 und 1005N (SD: 81) für die Gruppe MK.

Schlussfolgerung: Verblendkeramik kann die Frakturfestigkeit von vollkeramischen Inlaybrücken steigern.

(Dtsch Zahnärztl Z 2012, 67: 40–46)

Ausgabe: 01/2012
Analyse prothetischer Sachverständigengutachten und der verfügbaren Wissensbasis
S.T. Jacoby, M. Rädel, M.H. Walter

Einführung: Sachverständigengutachten im Bereich der Zahnmedizin beschäftigen sich häufig mit prothetischen Versorgungen. Ziel der Untersuchung war die deskriptive Analyse eines Pools von Gutachten und eine beispielhafte Prüfung der Verfügbarkeit fallrelevanten Wissens.

Methode: Basis der vorliegenden Arbeit waren 90 Gutachten eines Sachverständigen, welche über einen Zeitraum von elf Jahren erstellt worden waren. Gutachtervotum, soziodemografische Daten sowie Einzelheiten zu den streitgegenständlichen Versorgungsformen wurden erfasst und ausgewertet. Für die festgestellten Behandlungsfehler erfolgte eine Einteilung in Fehlerbereiche und eine anschließende Literaturrecherche in den wissenschaftlichen Stellungnahmen der Deutschen Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde e.V. und einer ausgewählten mehrbändigen Lehrbuchreihe.

Ergebnisse: Der Anteil des weiblichen Geschlechts überwog mit 63%. Gerichts-und Privatgutachten waren annähernd gleich vertreten. Die Mehrzahl aller prothetischen Arbeiten konnte ohne wesentliche Einschränkungen begutachtet werden. Waren vermeintliche Behandlungsfehler streitgegenständlich, stellte der Sachverständige in 57% der Fälle das Vorliegen von mindestens einem Behandlungsfehler fest. Festsitzende Versorgungen waren doppelt so häufig streitgegenständlich wie herausnehmbarer Zahnersatz. Als häufigster Fehlerbereich wurde der Randschluss indirekter Restaurationen identifiziert. In zehn Fällen waren den Stellungnahmen, in drei Fällen der Lehrbuchreihe keine Aussagen zum zahnmedizinischen Standard zu entnehmen.

Schlussfolgerung: Vor dem Hintergrund zunehmender Rechtsstreitigkeiten wird das Fehlen fundierter wissenschaftlicher Aussagen für eine Vielzahl von individuellen Behandlungen und damit die unsichere Wissensbasis zum jeweiligen zahnmedizinischen Standard deutlich. Der Forschungsbedarf ist ebenso offensichtlich wie der Bedarf an allgemein anerkannten Handlungsempfehlungen.

(Dtsch Zahnärztl Z 2012, 67: 32–39)

Ausgabe: 01/2012
Klinischer Vergleich zur Angstbeeinflussung bei nicht-phobischen Patienten mittels Informationsvermittlung und Muskelentspannung nach Jacobson*
P. Lindner, H.-P. Jöhren

Einführung: Angst vor der Zahnbehandlung ist ein weltweit anzutreffendes Problem. Nur wenige Untersuchungen zielen auf das Erkennen und die Therapie von ängstlichen, nicht phobischen Patienten. Ziel dieser Untersuchung war es, diesen Patienten (Bewertung im Hierarchischen Angstfragebogen [HAF] 30 und 38) eine einfachere Therapieform als die zeit- und kostenintensive psychologische Betreuung zu bieten und somit eine erfolgreiche und abgeschlossene Zahnbehandlung zu ermöglichen.Material und Methode: 37 mittelängstliche Patienten erhielten eine DVD, die Informationen über die Behandlung und die Zahnklinik vermittelt, sowie Anleitungen für die progressive Muskelentspannung nach Jacobson zur häuslichen Anwendung und Vorbereitung auf den Zahnarztbesuch. Darüber hinaus wurde ein Video mit Wellenspielen zur Entspannung ausgehändigt. Alle Probanden erhielten eine Patientenbroschüre, die im Allgemeinen über die Zahnbehandlungsangst und Therapiemöglichkeiten aufklärt. Die Patienten der Kontrollgruppe wurden im Erstgespräch ausführlich aufgeklärt und beraten. Der klinische Erfolg wurde in Form der Anzahl von eingehaltenen zahnärztlichen Behandlungsterminen und der Abnahme der Zahnbehandlungsangst gemessen.

Ergebnisse: Sowohl die Teilnehmer der Studien-, wie auch der Kontrollgruppe, zeigten eine signifikante Abnahme der Zahnbehandlungsangst nach mindestens 3 wahrgenommenen Behandlungen. 65% der Teilnehmer der Studiengruppe konnten die Behandlung erfolgreich abschließen, in der Kontrollgruppe waren es 46% (p0,05).

Schlussfolgerung: Die zusätzliche Vorbereitung mittelängstlicher Patienten auf die Zahnbehandlung durch videovermittelte Muskelentspannung nach Jacobson führt zu einem erhöhten Behandlungsabschluss der zahnärztlichen Therapie. Jüngere Patienten weisen eine höhere Abbrecherquote auf als ältere Patienten. Auch durch die routinemäßige Behandlung, die eine gute Aufklärung des Patienten inkludiert, wird eine signifikante Abnahme der Zahnbehandlungsangst erreicht.

(Deutsche Zahnärztl Z 2012, 67: 47–52)

Ausgabe: 01/2012
Zur Integration der Seniorenzahnmedizin in die prägraduale zahnärztliche Ausbildung in Deutschland
J. Kunze, T. Reiber, I. Nitschke

Einführung: Die Behandlung von Senioren erfordert gerostomatologische, gerontologische und geriatrische Kenntnisse. Weiterhin sind umfassende Fähigkeiten im Patientenmanagement notwendig. Die vorliegende Arbeit soll klären, ob diese Themen in der prägradualen Ausbildung von Zahnmedizinern berücksichtigt werden.

Material und Methode: Geschäftsführende Direktoren (n=30) sowie Leiter von Einrichtungen (n=113) aller deutschen Zentren für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde (ZZMK) wurden schriftlich befragt.

Ergebnisse: Die Einbeziehung der Seniorenzahnmedizin in die prägraduale Ausbildung weist starke Unterschiede auf. 40% aller Einrichtungen bieten gerostomatologische Vorlesungsreihen, Seminare und/ oder Praktika in Senioreneinrichtungen an. Inhalte dieser Vorlesungen sind breit gefächert. Die Einbeziehung der Seniorenzahnmedizin in Lehre und Forschung ist nur in wenigen ZZMK strukturiert.

Schlussfolgerung: Grundsätzlich zeigen fast alle Universitäten ein Interesse an der prägradualen gerostomatologischen Ausbildung. Eine Verankerung von theoretischer und praktischer Ausbildung in der Approbationsordnung mit der entsprechenden finanziellen Ausstattung könnte helfen, die gerostomatologische Ausbildung weiter zu etablieren.

(Dtsch Zahnärztl Z 2012, 67: 21–31)