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Kalziumsilikat-basierte Sealer: Das Ende der thermoplastischen Obturation?*

DOI: 10.3238/dzz.2021.0010

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Schlüsselwörter: Kalziumsilikat Wurzelkanalfülltechniken Wurzelkanalsealer thermoplastische Obturation

 

Zusammenfassung: Bei allen Obturationstechniken ist eine gewisse Menge an Wurzelkanalfüllpaste (Sealer) erforderlich, um kleine Unebenheiten entlang der Kanalwand auszugleichen. Als Goldstandard gelten dabei bisher Sealer auf Epoxidharzbasis. Eine neuere Entwicklung stellen Sealer auf Kalziumsilikatbasis (KSS) dar, die sich von Kalziumsilikat-basierten Zementen (MTA) ableiten. KSS sind nachgewiesenermaßen biokompatibel und bioaktiv. In Kontakt mit Gewebeflüssigkeit bildet sich an der Oberfläche von KSS ein Hydroxylapatit-ähnlicher Niederschlag, sodass diese Sealer offensichtlich nicht als köperfremd erkannt werden, auch im Falle einer Sealerextrusion. Nach dem Abbinden setzen die KSS über einen längeren Zeitraum OH- und Ca2 -Ionen frei, wodurch die Sealer möglicherweise gewisse antibakterielle Effekte aufweisen und die Heilung einer periapikalen Entzündung unterstützen. Daher gibt es Überlegungen, Wurzelkanäle hauptsächlich mit KSS zu füllen und den Gutta­perchaanteil zu minimieren. Allerdings liegen noch keine klinischen Langzeitstudien vor, die einen Vorteil dieses neuen Konzepts bestätigen.

Obwohl Guttapercha schon seit sehr langer Zeit erfolgreich für die Obturation von Wurzelkanälen verwendet wird, gibt es unterschiedliche Auffassung darüber, welche Wurzelkanalfülltechnik besser ist: kalte oder warme (thermoplastische) Obturation. Nach Exposition von suffizient gefüllten Wurzelkanälen mit Speichel kommt es immer zu einer Penetration von Mikroorganismen in das Wurzelkanalsystem – unabhängig von der Obturationsmethode. Keine bisher bekannte Obturationsmethode führt zu einem bakteriendichten Verschluss des Wurzelkanals. Hinsichtlich der klinischen Erfolgsraten konnte daher keine Überlegenheit der häufig propagierten thermoplastischen Wurzelkanalfülltechniken im Vergleich zur kalten lateralen Kompaktion nachgewiesen werden.

Für die thermoplastische Obturation sind KSS allerdings in der Regel nicht freigegeben, da diese Sealer wasserbasiert sind und zu befürchten ist, dass durch die hohen Temperaturen von bis zu 200 °C dem Sealer zu viel Wasser entzogen wird, was sich nachteilig auf die werkstoffkundlichen Eigenschaften auswirken könnte. Es ist aber fraglich, ob so hohe Temperaturen klinisch bei der thermoplastischen Obturation erreicht werden.

Nachteilig an den KSS ist ihre im Vergleich zu Epoxidharzsealern höhere Löslichkeit. Langfristig könnte es so zu Auflösungserscheinungen an der Wurzelkanalfüllung kommen. In den bisher vorliegenden Studien lässt sich aber ein Unterschied bei den klinischen Erfolgsraten zwischen Epoxidharzsealern und KSS nicht feststellen. Insgesamt stellen KSS daher eine interessante Alternative zu den herkömmlichen Wurzelkanalfüllpasten dar. Grundsätzlich ist allerdings der Erfolg einer Wurzelkanalbehandlung nicht nur von der Obturationstechnik, sondern vor allem auch von der vollständigen Entfernung des infizierten Gewebes und der dauerhaften Desinfektion des Wurzelkanalsystems sowie einer bakteriendichten postendodontischen Versorgung abhängig.

 

Poliklinik für Parodontologie und Zahnerhaltung, Universitätsklinikum Münster, Albert-Schweitzer-Campus 1, Gebäude W 30, Münster: Prof. Dr. Till Dammaschke

*Deutsche Version der englischen Erstveröffentlichung Dammaschke T: Calcium silicate-based sealers: The end of thermoplastic obturation? Dtsch Zahnärztl Z Int 2021; 3: 71–79

Zitierweise: Dammaschke T: Kalziumsilikat-basierte Sealer: Das Ende der thermoplastischen Obturation? Dtsch Zahnärztl Z 2021; 76: 104–113

Peer-reviewed article:...


(Stand: 09.04.2021)

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