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Die Ursprünge dentaler Kunststoffe und Adhäsivtechniken im Licht von Wissenschaft und Politik

DOI: 10.53180/dzz.2022.0021

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Schlüsselwörter: Geschichte Haftung von Acrylaten auf Zahnschmelz adhäsive Zahnheilkunde dentale Kunststoffe

 

Einleitung: In diesem Artikel werden die zahnmedizinisch relevanten Ursprünge von Acrylatkunststoffen und Adhäsivtechniken bis 1955 beleuchtet. Dabei finden neben technischen und klinischen Aspekten auch politische Rahmenbedingungen – einschließlich gesundheits- und standespolitischer Art – besondere Berücksichtigung.

Material und Methode: Literaturrecherche in digitalen Medien sowie händische Durchsichten.

Ergebnisse: Die Pionierarbeiten der Acrylat- und Adhäsionsforschung reichen in die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts und in die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts zurück. Sie waren nicht nur von Erfolgen, sondern auch von zahlreichen Rückschlägen begleitet. Eine für die zahnärztliche Prothetik besonders wichtige Ära der extraoral gefertigten Werkstücke lag zwischen 1930 und 1940. Ihr folgte zwischen 1940 und 1950 eine für die Zahnerhaltungskunde bedeutsame Epoche der intraoral verarbeitbaren Materialien. Das Jahr 1949 war der Ausgangspunkt für die kunststoffbasierte adhäsive Zahnheilkunde. In dieses Jahr fällt zum einen die Vermarktung eines – anfangs nicht sehr erfolgreichen – Kunststoff-Sealers auf Glycerophosphorsäurebasis und zum anderen die – zunächst wenig beachtete – Entdeckung, dass Säureätzung von Zahnschmelz (mit Salpetersäure) eine Adhäsionssteigerung zu dünnen Kunststoff-Filmen auf Acrylatbasis bewirkt. Sechs Jahre später (1955) wurde gezeigt, dass sich durch Säureätzung von Zahnschmelz (mit Phosphorsäure) eine Adhäsionsverbesserung auch zu dickeren Kunststoffmassen erreichen lässt. Die Forschungsarbeiten wurden durch die besonderen Umstände in jener Zeit – einschließlich Devisen- und Rohstoffknappheit – vor, während und nach dem Zweiten Weltkrieg beeinflusst. Hinzu kam in Deutschland unter anderem der Standesdualismus zwischen der teilweise stark verfeindeten akademischen Zahnärzte- und der handwerklichen Dentistenschaft, durch den kooperatives Handeln erschwert wurde.

Diskussion und Schlussfolgerung: Mit der Einführung dentaler Kunststoffe war unter anderem die Absicht verbunden, ressourcenschonende, kostengünstige und von Patienten gut akzeptierte Materialien und Techniken zur Verfügung zu stellen. Bis Kunststoffe zu Repräsentanten einer heute als „frugale Zahnmedizin“ bezeichneten Richtung werden konnten, waren zahlreiche wissenschaftliche Leistungen zu erbringen und gleichzeitig vielerlei zeitbedingte politische Hürden zu überwinden. Einige der vor 1955 gemachten Entdeckungen sind bislang in der Literatur unvollständig oder überhaupt nicht beschrieben. Die Kenntnis dieser Entdeckungen kann zu einem besseren historischen Verständnis der adhäsiven Zahnheilkunde beitragen.

 

Poliklinik für Zahnerhaltungskunde, MZK-Klinik, Universitätsklinikum Heidelberg: Prof. Dr. Dr. Hans Jörg Staehle, Dr. Caroline Sekundo

Zitierweise: Staehle HJ, Sekundo C: Die Ursprünge dentaler Kunststoffe und Adhäsivtechniken im Licht von Wissenschaft und Politik. Dtsch Zahnärztl Z 2022; 77: 255–267

Peer-reviewed article: eingereicht: 11.10.2021, akzeptiert: 04.11.2021

DOI.org/10.53180/dzz.2022.0021

1. Einleitung

Lange Zeit wurde in der Literatur die Auffassung vertreten, dass die adhäsive...


(Stand: 03.08.2022)

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