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11.05.2017 - Rugzan Jameel Hussein - Robert Krohn - Gerald Willms
Systemische adjuvante Antibiotikagabe in der Behandlung von Parodontopathien bei gesetzlich Versicherten in Deutschland

Einführung: In der Parodontitistherapie können Antibiotika die mechanische Therapie dabei unterstützen, das Fortschreiten von Attachmentverlusten zu verhindern. Systemischer Antibiotikaeinsatz kann bei aggressiver Parodontitis und bei schwerer generalisierter chronischer Parodontitis indiziert sein.

Methode: In der Analyse wurden die Häufigkeit zahnärztlicher Antibiotikaverordnungen in der Parodontitistherapie und die in diesem Zusammenhang verordneten Antibiotikawirkstoffe auf Basis von Abrechnungs- und Verordnungsdaten zu Antibiotika untersucht. Grundlage für die Analyse bildeten pseudonymisierte Routinedaten von gesetzlich Versicherten, die 2013 eine Parodontalleistung (BEMA Teil 4) erhielten. Eingeschlossene BEMA-Leistungen sind: geschlossenes Vorgehen (BEMA: P200 und P201), offenes Vorgehen (BEMA: P202 und P203) und Nachbehandlungen (BEMA: 111). Für diese BEMA-Leistungen wurde auf Ebene der Patienten geprüft, ob ihnen im Rahmen ihrer Parodontalbehandlung ein systemisches Antibiotikum vom Zahnarzt verordnet wurde. Die Antibiotikaverordnungen wurden nach der ATC-Klassifikation (J01) auf Ebene 4 und 5 analysiert.

Ergebnisse: 2,1% der Patienten, die 2013 eine Parodontalbehandlung erhielten, bekamen zusätzlich ein systemisches Antibiotikum verordnet. Die am häufigsten verordneten Antibiotika in der Parodontitistherapie sind Amoxicillin (45%) und Clindamycin (37%).

Diskussion und Schlussfolgerung: Der systemische Antibiotikaeinsatz ist in der Parodontitistherapie bei den deutschen Zahnärzten nicht sehr verbreitet. Die Ergebnisse in ihrer Gesamtheit zeigen, dass das Verordnungsverhalten der Zahnärzte im Wesentlichen mit den Leitlinienempfehlungen zur Antibiotikatherapie in der Parodontalbehandlung übereinstimmt. Allerdings fehlen wesentliche Informationen zu den zugrunde liegenden Diagnosen, zum Schweregrad der Erkrankung sowie zum Vorliegen von parodontalen Risikofaktoren, die einen besseren Einblick in die Versorgung dieser Patienten ermöglichen.

(Dtsch Zahnärztl Z 2017; 72: ?-?)

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31.03.2017 - Verena Struckmann - Uta Augustin - Dimitra Panteli - Reinhard Busse
Erfahrungen deutscher Zahnärzte mit grenzüberschreitender zahnärztlicher Versorgung*

Einführung: Die grenzüberschreitende zahnärztliche Versorgung gewinnt mit dem Inkrafttreten der Richtlinie 2011/24/EU zunehmend an Bedeutung. Die Richtlinie legt neue Rahmenbedingungen für die Ausübung der Patientenrechte bei grenzüberschreitender Leistungsinanspruchnahme fest. Während die Erfahrungen mit grenzüberschreitender medizinischer Versorgung von Patienten bereits in Studien untersucht wurden, gibt es diesbezüglich bisher kaum Informationen aus der Perspektive der Zahnärzte.

Methode: Mittels semi-strukturierter Interviews wurden praktizierende Zahnärzte aus dem gesamten Bundesgebiet bezüglich ihrer Erfahrungen mit der zahnärztlichen Versorgung von Patienten aus dem Ausland und Patienten, die zur Behandlung im Ausland gewesen sind, befragt. Die Stichprobenziehung erfolgte über Selbstselektion der Teilnehmer. Die Auswertung der Transkripte wurde mittels der qualitativen Inhaltsanalyse durchgeführt.

Ergebnisse: Die Zahnärzte gaben an, dass deutsche Patienten sich am häufigsten aus Kostengründen oder aufgrund einer wohnortnahen Versorgung in Grenzregionen zahnärztlich im Ausland behandeln lassen. Hingegen ließ sich die Mehrheit der Patienten aus dem Ausland aufgrund von Notfallsituationen zahnärztlich in Deutschland behandeln. Häufigster Kritikpunkt der Zahnärzte war die Qualität der erhaltenen Behandlung im Ausland. Überwiegend bewerteten die befragten Zahnärzte die grenzüberschreitende zahnärztliche Versorgung in Deutschland als ein Randphänomen.

Schlussfolgerung: Die befragten Zahnärzte sehen einen Regulierungsbedarf in Bezug auf die Kontinuität der Behandlung sowie für rechtliche Aspekte grenzüberschreitender zahnärztlicher Versorgung. Bezüglich des deutschen Kontextes stützen unsere Ergebnisse nicht die Annahme, dass eine steigende Anzahl von Patienten für die zahnärztliche Versorgung ins Ausland geht.

(Dtsch Zahnärztl Z 2017; 72: ?-?)

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31.03.2017 - A. Rainer Jordan - Regine Chenot - Jörg Schmidt
Informationsbedürfnisse und Stellenwert von Leitlinien im Praxisalltag: eine qualitative Studie

Einführung: Dieser Beitrag gibt einen Einblick in die Einstellungen niedergelassener Zahnärzte zu evidenzbasierten Leitlinien sowie zu möglichen Hindernissen und Anreizen für die Anwendung der Leitlinienempfehlungen im Versorgungsalltag.

Material und Methode: Wir führten 2Gruppendiskussionen mit 14 niedergelassenen Zahnärzten in Berlin und München durch. Die Gruppendiskussionen wurden digital aufgezeichnet und vollständig transkribiert. Die Daten wurden inhaltsanalytisch ausgewertet, um die zentralen Themen zu erschließen.

Ergebnisse: Die von den Teilnehmern geäußerten Themen wurden zu 3Dimensionen zusammengefasst: 1) Erleben und Relevanz von EbM und Leitlinien im Praxisalltag, bei der Beratung und Patientenbehandlung 2) Anreize und Barrieren für die Nutzung von Leitlinien und 3) Informationsbedürfnisse der potenziellen Nutzer von Leitlinien. Aktualität und Sicherheit werden als wichtige Aspekte von Leitlinien erlebt. Barrieren für die Nutzung von Leitlinien können in Informationsfülle und mangelnder Integration in den Praxisalltag bestehen. Anreize, sich mehr mit Leitlinien zu beschäftigen, liegen in der Verbesserung der Patientenversorgung und der Compliance. Medien der Verbreitung können sowohl Fortbildungsangebote als auch Fachpublikationen sein. Dabei sollten regelmäßig Neuigkeiten vorgestellt werden. Für den Wissenstransfer von Leitlinien wird das Internet als geeignet eingeschätzt, aber auch fachliche Informationen in Printform werden wahrgenommen und können das Thema Leitlinien verstärkt ins Bewusstsein bringen.

Diskussion und Schlussfolgerung: Die kognitive Integrationsleistung von externem Wissen (Leitlinien), täglicher

Praxisarbeit und Patientenerwartungen bei der Akzeptanz bzw. Nicht-Akzeptanz von Leitlinien scheint deshalb nicht zustande zu kommen, weil die bisher verfügbaren Leitlinien in diesem Sinne von den Teilnehmern als wenig praxisrelevant eingeschätzt werden und im Zahnarzt-Patienten-Verhältnis auch (noch) keine wichtige Rolle spielen. Die verstärkte Kommunikation der „Stärken“ von Leitlinien könnte dazu führen, die Akzeptanz und den Nutzen von Leitlinien bei den Zahnärzten spürbar zu erhöhen.

(Dtsch Zahnärztl Z 2017; 72: ?-?)

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31.03.2017 - Dominik Groß - Ralf Vollmuth
Zwischen Gütesiegel und Scheinargument:

Einführung: Die Professionelle Zahnreinigung (PZR) ist seit Jahren Gegenstand kontroverser Diskussionen. Sie gehört bislang aufgrund ihrer (vermeintlich) fehlenden Evidenz nicht zum Leistungskatalog der Krankenkassen, wird jedoch in nahezu allen Zahnarztpraxen als zuzahlungspflichtige zahnärztliche Leistung angeboten. Der vorliegende Beitrag geht am Beispiel PZR der Frage nach, welche Rolle der (ihrerseits umstrittenen) Evidenzbasierten Medizin bzw. Zahnmedizin (EbM/EbZ) bei der Einordnung und Bewertung zahnärztlicher Leistungen zukommen sollte und welche anderen Einflussgrößen – auch aus ethischer Sicht – in die Entscheidungsprozesse einzubeziehen sind.

Methode: Methodische Grundlagen des vorliegenden Beitrages sind (1) eine Analyse der einschlägigen Fachliteratur sowie (2) eine theoretische Erörterung der Möglichkeiten, Grenzen und Fallstricke der Evidenzbasierten Medizin (EbM) unter besonderer Berücksichtigung normativer Argumentationslinien.

Ergebnis/Schlussfolgerung: Auch wenn der Stellenwert der Evidenzbasierten Medizin bzw. Zahnmedizin für eine qualitativ hochwertige Versorgung der Patienten im Grundsatz unbestritten ist, ist die Bewertung der externen Evidenz nicht immer frei von Deutungen und interessengestützten Einflüssen. Sie ist überdies abhängig von der jeweiligen Studienlage – und letztere wiederum von den spezifischen Rahmenbedingungen und Besonderheiten des betreffenden Fachgebietes. Insofern bedarf jede Behandlungsmaßnahme immer auch der individuellen klinischen Expertise des behandelnden Arztes oder Zahnarztes. Dieser muss unter Einbeziehung und Abwägung der Indikationen, Kontraindikationen und Kosten-Nutzen-Relationen, seines Erfahrungsschatzes (Empirie) sowie einer individuellen ethischen Bewertung zu einer Einzelfallentscheidung kommen, die dem jeweiligen Patienten und seinen gesundheitlichen Interessen gerecht wird.

(Dtsch Zahnärztl Z 2017; 72: ?-?)

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31.03.2017 - Stefan Zimmer - Fabian Kreimendahl - Cornelia Blaich - Reinhard Rychlik
Kariesprävention durch zuckerfreien Kaugummi – ein Kosten-Vergleich auf der Grundlage der DMS V

Einführung: Karies ist die weltweit häufigste Erkrankung überhaupt. Die Ausgaben für ihre Behandlung lagen Schätzungen zufolge im Jahr 2012 in Deutschland bei ca. 8,2Mrd.Euro. Gleichzeitig ist eine rückläufige Kariesprävalenz erkennbar, was u.a. auf ein umfangreiches, aber auch kostenintensives System der Kariesprävention zurückzuführen ist. Der Konsum von zuckerfreiem Kaugummi ist eine mögliche Prophylaxemaßnahme auf Individualebene. Der Nutzen von zuckerfreiem Kaugummi in der Kariesprophylaxe ist durch klinische Studien belegt. Die vorliegende Arbeit evaluiert Gesundheitsgewinne und die Kosten-Effektivität von zuckerfreiem Kaugummi aus Sicht der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) über den gesamten Lebenszyklus eines Menschen.

Methoden: Die Entwicklung des Kariesverlaufes in Deutschland wurde auf der Grundlage der aktuellen Deutschen Mundgesundheitsstudie (DMSV) über einen Zeitraum von 62Jahren projiziert (Szenario „Derzeitiger Konsum“). Vergleichend hierzu wurde die Karies-Entwicklung bei einem Alternativ-Szenario mit höherem Konsum von zuckerfreiem Kaugummi (Szenario „Erhöhter Konsum“) berechnet. Dabei diente Finnland, das einen im Vergleich zu Deutschland 1,82-fach höheren Konsum an zuckerfreiem Kaugummi aufweist, als Referenzland. Potenzielle Kosteneinsparungen sowie eine Verbesserung der Zahngesundheit wurden bei Übertragung des finnischen Niveaus auf Deutschland berechnet (Approximation). Finnland diente wegen des erhöhten Konsums an zuckerfreiem Kaugummi sowie der Vergleichbarkeit der Gesundheitssysteme als Referenz. Der Einfluss des erhöhten Konsums von zuckerfreiem Kaugummi auf die gesamte Therapieabfolge bis zum Alter von 75Jahren wurde analysiert. Dazu wurde ein Behandlungspfad definiert und die Übergangswahrscheinlichkeiten von einem Zahnzustand in den nächsten (z.B. von „gesund“ zu „einflächige Füllung“) auf Basis der DMFT-Werte der aktuellen bevölkerungsrepräsentativen Untersuchung des Institutes der Deutschen Zahnärzte aus dem Jahre 2016 (DMSV) ermittelt. Die Therapiekosten der Karies und ihrer Folgen wurde auf Basis der Ausgaben für zahnmedizinische Leistungen seitens der GKV ermittelt.

Ergebnisse: Bei einer Erhöhung des Konsums von zuckerfreiem Kaugummi auf das finnische Niveau würden als Hauptergebnis bis zum Alter von 75Jahren 3Zähne weniger verloren gehen und ein Zahn mehr komplett gesund bleiben. Bei den lebenslangen kariesbedingten Therapiekosten würde sich eine Einsparung für die GKV in Höhe von ca. 4400Euro je Patient ergeben. Die jährlichen Einsparungen lägen bei ca. 70Euro je Patient und bei 313Mio.Euro für die gesetzlichen Krankenversicherungen insgesamt.

Diskussion und Schlussfolgerung: Auf Basis der getroffenen Annahmen und bei Berücksichtigung der systembedingten Limitationen des Modells kann die Erhöhung des Konsums von zuckerfreiem Kaugummi zu einer Verbesserung der Mundgesundheit und zu erheblichen Kosteneinsparungen für die gesetzlichen Krankenversicherungen führen.

(Dtsch Zahnärztl Z 2017; 72: ?-?)

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11.04.2017 - Dominik Groß - Matthis Krischel - Enno Schwanke - Thorsten Halling - Jens Westemeier
Zum Stand der Aufarbeitung der Geschichte der Zahnmedizin im Nationalsozialismus

Zusammenfassung: Die Verbindung der zahnärztlichen Profession mit den Verbrechen und der Gewalt des Nationalsozialismus ist bisher nur ansatzweise strukturiert dokumentiert. Die Erinnerung an vertriebene, aus dem Beruf gedrängte oder ermordete Zahnärztinnen und Zahnärzte erfolgt bislang schwerpunktmäßig auf lokaler Ebene. Gleichzeitig wird in der Literatur zur Medizin und ihrer Vertreter im Nationalsozialismus die Berufsgruppe der Zahnärzte nicht systematisch mitbehandelt. Dieser Beitrag gibt einen kurzen Überblick über die Aufarbeitung der Geschichte der Zahnmedizin im Nationalsozialismus und weist auf ein im Sommer 2016 begonnenes medizinhistorisches Aufarbeitungsprojekt hin.

(Dtsch Zahnärztl Z 2017; 72: ?–?)

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11.05.2017 - Rugzan Jameel Hussein - Robert Krohn - Gerald Wilms
Systemische adjuvante Antibiotikagabe bei Wurzelkanalbehandlungen, Zahnextraktionen und Notfallleistungen in der zahnärztlichen Versorgung bei gesetzlich Versicherten in Deutschland

Einführung: In der zahnärztlichen Versorgung sind systemische Antibiotika bei bestimmten klinischen Konstellationen indiziert, z.B. bei Patienten mit einem Risiko für eine postoperative Infektion oder Ausbreitungszeichen einer lokalen, odontogenen Infektion. Laut zahnärztlichen Fachgesellschaften sind die Penicilline die Mittel der ersten Wahl in der Behandlung odontogener Infektionen.

Methode: In der Analyse wurden die Häufigkeit zahnärztlicher Antibiotikaverordnungen b ei Wurzelkanalbehandlungen (BEMA: 28, 29, 31, 32, 34, 35), Zahnextraktionen (BEMA: 43, 44) und Notfallbehandlungen (BEMA: 03) und die in diesem Zusammenhang verordneten Antibiotikawirkstoffe untersucht. Datengrundlage für die Analyse waren pseudonymisierte Abrechnungs- und Verordnungsdaten von gesetzlich Versicherten, die die genannten Leistungen im Jahr 2013 erhielten. Für die BEMA-Leistungen wurde auf Ebene der Patienten geprüft, ob ihnen im Rahmen ihrer zahnärztlichen Behandlung ein systemisches Antibiotikum vom Zahnarzt verordnet wurde. Die Antibiotikaverordnungen wurden nach der ATC-Klassifikation (J01) auf Ebene 4 und 5 analysiert.

Ergebnisse: Ca. 15% der Patienten mit einer Wurzelkanalbehandlung, 6,8% der Patienten mit einer Zahnextraktion und 21,5% der Patienten mit einer Notfallleistung erhielten im Jahr 2013 zusätzlich ein systemisches Antibiotikum. Das am häufigsten verordneten Antibiotikum bei den o.g. Leistungen ist Clindamycin (44,5–51,05%).

Diskussion und Schlussfolgerung: Die verordneten Antibiotika bei den o.g. Behandlungen können in bestimmten Ausnahmefällen gerechtfertigt sein. Wenn keine dieser Ausnahmen vorliegt, ist dies als ein möglicher Hinweis auf eine Überversorgung mit systemischen Antibiotika zu interpretieren. Zukünftige Studien sollten deshalb die zahnärztlichen Verordnungen zur Antibiotikagabe genauer untersuchen, z.B. bei welchen Diagnosen und bei welchem Risikoprofil der Patienten systemische Antibiotika verordnet werden und ob Unsicherheiten bei den Zahnärzten zur Antibiotikaindikation bestehen. Der vermehrte Einsatz des Ausweichantibiotikums Clindamycin in der zahnärztlichen Versorgung stellt eine Fehlversorgung mit Antibiotika dar. Gründe für den übermäßigen Einsatz von Clindamycin sollten in zukünftigen Studien untersucht werden.

(Dtsch Zahnärztl Z 2017; 72: ?–?)

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11.05.2017 - Hüsamettin Günay - Maren Brückner - Kerstin Böhm - Alina Beyer - Marco Tiede - Karen Meyer-Wübbold
Effekt des doppelten Putzens auf die Wurzelkaries-Inzidenz und den parodontalen Zustand bei Senioren

Einführung: Die Prävalenz von Wurzel- und Kronenrandkaries sowie marginaler Parodontitis steigen mit dem Alter an. Wurzeloberflächenkaries und Parodontitis sind die Hauptgründe für Zahnverlust, was wiederum negative Auswirkungen auf die Lebensqualität hat. Um Zahnverluste zu vermeiden und eine hohe Lebensqualität im Alter zu erhalten, ist neben professionellen Maßnahmen eine optimale effektive häusliche Mundhygiene notwendig. Das Ziel der vorliegenden Studie war es deshalb zu untersuchen, ob eine Modifikation bei der häuslichen Mundhygiene (doppeltes Zähneputzen) effizient bezüglich der parodontalen Gesundheit und der Verhinderung von Wurzeloberflächen- und Kronenrandkaries bei älteren Menschen während der unterstützenden Parodontitistherapie ist.

Methode: Es wurden insgesamt 56Teilnehmer unseres Recall-Systems (unterstützende Parodontitistherapie) in die Studie einbezogen und diese zufällig 2Gruppen zugeordnet (Test-Gruppe [„Doppelputzer“ – DP]; Kontroll-Gruppe [„Einfachputzer“ – EP]). Beide Gruppen sollten im Rahmen ihrer häuslichen Mundhygiene ihre Zähne systematisch putzen (alle Zahnflächen, anschließend gesondert die Zahnzwischenräume und den Zungenrücken). Die Teilnehmer der DP wurden instruiert, abends nach der Reinigung noch einmal gesondert mit einer erbsengroßen Menge fluoridierter Zahnpasta mindestens eine Minute lang die bereits gereinigten Zahnoberflächen und das Zahnfleisch systematisch in kleinen kreisenden Bewegungen zu putzen. Alle Patienten wurden zu Beginn und nach 3Jahren untersucht. Es wurden folgende Parameter erhoben und statistisch ausgewertet: DMF-T, Hygiene-Index (HI), Periodontal Screening Index (PSI), Quigley-Hein-Index (QHI), Approximalraum-Plaque-Index (API), Root-Caries-Index (RCI), Neubildung von Wurzeloberflächen- und Kronenrandkaries nach Zahnanzahl und Fläche.

Ergebnisse: Die DP setzte sich aus 27 (16männlich; 11weiblich, durchschnittliches Alter 66,1±5,5Jahre) und die EP aus 29Teilnehmern (18männlich; 11weiblich; durchschnittliches Alter 66,0±6,2Jahre) zusammen. Nach 3Jahren zeigte sich in der DP eine signifikante Verbesserung des PSI im Vergleich zum Projektbeginn. In der EP gab es nach 3Jahren eine leichte, jedoch nicht statistisch signifikante Verbesserung des PSI. Die Teilnehmer der DP entwickelten signifikant weniger kariöse Läsionen als die Probanden der EP. In der DP zeigten sich nach 3Jahren im Mittel an 0,2±0,5Zähnen eine Kronenrand- und an 0,4±0,8Zähnen eine Wurzeloberflächenkaries. In der EP war dies dagegen an 0,9±1,3 bzw. an 2,3±2,2Zähnen der Fall.

Schlussfolgerung: Durch eine Modifikation der häuslichen Mundhygiene in Form eines zweimaligen Auftragens fluoridhaltiger Zahnpasta kombiniert mit einer effizienten regelmäßigen parodontalprophylaktischen Nachsorge kann die Neubildung von Wurzeloberflächen- und Kronenrandkaries bei älteren Menschen deutlich verringert werden, die parodontalen Verhältnisse lassen sich stabilisieren bzw. verbessern.

(Dtsch Zahnärztl Z 2017; 72: ?-?)

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17.05.2017 - Marcus Stoetzer - Nils-Claudius Gellrich - Valeh Mirzabayli - Andreas Kampmann - Juliane Lemound - Constantin von See
Auswirkung eines piezo- gesteuerten Periost- präparationsinstrumentes auf die Expression von BMP-2 und VEGF-A165 unter begleitender Bisphosphonattherapie an der Ratte

Einleitung: Das Periost spielt eine wesentliche Rolle bei der Knochenregeneration. Die Piezotechnologie ist besonders schonend bei chirurgischen Eingriffen am Knochen. Bei Patienten mit einer begleitenden Therapie mit Bisphosphonaten, kommt es leider oftmals zu den Bisphosphonat-assoziierten Nekrosen des Kiefers, wenn ein chirurgischer Eingriff am Kiefer notwendig ist. Dabei ist der Mechanismus der Bisphosphonat-assoziierten Kiefernekrose bis heute noch nicht hinreichend geklärt. Inwieweit die piezogesteuerte Periostdissektion die Faktoren BMP-2 und VEGF-A165 beeinflusst, soll in dieser Studie geklärt werden.

Material und Methode: Adulte Lewis-Ratten wurden randomisiert in 5Gruppen eingeteilt. Zwei Gruppen wurden mit Zolendronsäure über 6Wochen angereichert, die anderen 3Gruppen erhielten keine Zolendronsäure. Nach den 6Wochen wurde im Oberkiefer ein Defekt gesetzt und dieser mittels eines Mukoperiostlappens, entweder konventionell mit dem Raspatorium oder mittels der Piezotechnologie präpariert, verschlossen. Nach 4Wochen erfolgte die Bestimmung des BMP-2 und VEGF-A165 mittels der qRT-PCR.

Ergebnisse und Schlussfolgerung: Die qRT-PCR Auswertung zeigt, dass die BMP-2-Expression in den Gruppen Piezoinstrument mit Bisphosphonaten, Raspatorium mit und ohne Bisphosphonate und in der Kontrollgruppe annähernd vergleichbar sind. Ein signifikanter Unterschied zeigt sich in der Gruppe Piezoinstrument ohne Bisphosphonate. Betrachtet man die Freisetzung von VEGF-A165, so zeigt sich, dass die Kontrollgruppe vergleichbar mit den Gruppen Raspatorium und Piezoinstrument mit Bisphosphonaten ist. Ein signifikanter Unterschied besteht in der Gruppe Piezoinstrument ohne Bisphosphonate mit dem höchsten Ausschlag. Eine etwas höhere Freisetzung an VEGF-A165 zeigt sich in der Gruppe Raspatorium ohne Bisphosphonate. Die Ergebnisse zeigen, dass sich zwar unter der Therapie mit Bisphosphonaten kein Periostpräparationsinstrument durchsetzen konnte; hier gibt es keinen Vorteil, allerdings konnte gezeigt werden, dass die Freisetzung der Faktoren BMP-2 und VEGF-A165 in der Anwendung der Piezotechnologie deutlich gesteigert wird. Dieses könnte einen positiven Effekt bei ausgedehnten Eingriffen bewirken, sei es bei der Augmentation oder bei ausgedehnten Rekonstruktionen in der Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie.

(Dtsch Zahnärztl Z 2017; 72: ?–?)

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26.05.2017 - Khaled Hamadi - Alexandra Paschka - Roland Göbel - Florentine Jahn
Verbundfestigkeit von 4 Glasfaserstiftsystemen bei Verwendung verschiedener Befestigungsmaterialien – eine In-vitro-Studie

Einführung: Der adhäsive Verbund von Glasfaserstiften zum Dentin ist ein wissenschaftlich gut belegtes Thema. Untersuchungen zum Verbund des Befestigungsmateriales mit dem Stift selbst sind allerdings rar. Ziel dieser Studie war es, die Verbundfestigkeit von 6 verschiedenen Befestigungsmaterialien mit 4 verschiedenen Glaserfaserstiftsystemen unter Laborbedingungen zu untersuchen.

Methode: Für die vorliegende Studie wurden die Stiftsysteme ER DentinPost Coated (ER), X-Post (XP), FRC Postec Plus (FRC) und Panavia Post (PP) sowie die Befestigungskomposite DentinBuild Evo (DB), Core X-Flow (CXF), Multilink Automix (ML), Panavia F 2.0 (PF), Variolink II (VL) und Rely X Unicem (RX) verwendet. Die Stifte und adhäsiven Befestigungssysteme wurden in allen möglichen Kombinationen einschließlich der jeweils vom Hersteller empfohlenen korrespondierenden Adhäsivsysteme getestet. Es ergaben sich 24Versuchsgruppen. Für jede der 24Gruppen wurden 16Probekörper hergestellt, wobei die Hälfte der jeweiligen Probekörper vor dem Abzugsversuch einer Thermowechsellast mit 25.000Zyklen zwischen 5°C und 55°C unterzogen wurden (n=192), während bei der anderen Hälfte der Abzugsversuch ohne vorherige Thermowechsellast durchgeführt wurde (n=192).

Ergebnisse: Das ER-Stiftsystem erzielte in Kombination mit dem Befestigungsmaterial CXF die höchsten Haftkraftwerte (39,3MPa). Die signifikant geringsten Werte wurden für das ER-System bei Verwendung des vom Hersteller empfohlenen Komposites DB beobachtet (p=0,001). Interessanterweise zeigten die Kombinationen der Stiftsysteme mit dem vom jeweiligen Hersteller empfohlenen Befestigungssystemen nie die bestmögliche Verbundfestigkeit. Unter den Befestigungsmaterialen wies RelyX mit durchschnittlich 27,2±9,2MPa die höchsten Haftwerte auf. Die der Thermowechsellast ausgesetzten Proben zeigten im Durchschnitt niedrigere Verbundfestigkeiten als jene ohne Thermowechsellast. Die Rangfolge im Hinblick auf die Verbundfestigkeiten der Stift-Befestigungsmaterial-Kombinationen blieb auch nach Thermowechsellast unverändert.

Schlussfolgerung: Die Ergebnisse dieser In-vitro-Studie zeigen, dass signifikante Unterschiede der Verbundfestigkeiten zwischen den verschiedenen Stift-Befestigungsmaterial-Kombinationen vorliegen. Dabei verfügte das ER-Stiftsystem in Kombination mit CXF über die höchste Verbundfestigkeit und sollte daher Anwendung in der klinischen Routine finden. Des Weiteren zeigte RelyX bei allen Stiftsystemen eine verlässliche Verbundfestigkeit (22,5–36,5MPa) und kann aufgrund seiner einfachen und zeitsparenden Verarbeitung ebenfalls für die klinische Anwendung empfohlen werden.

(Dtsch Zahnärztl Z 2017; 72: ?–?)

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