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16.02.2017 - Falk Schwendicke - Christian Splieth - Andreas Schulte
Behandlung kariöser Läsionen: Konsensempfehlungen zu Terminologie und Entfernung kariösen Gewebes*

Zusammenfassung: Basierend auf einer internationalen kariologischen Konsensuskonferenz werden hier Empfehlungen zur Terminologie und zum Vorgehen bei der Entfernung kariösen Gewebes (Kariesexkavation) zusammengefasst. Kern jeder Kariesbehandlung sollte die Prävention kariöser Läsionen sein. Für existierende Läsionen steht ebenfalls die Kontrolle der kariesverursachenden Faktoren im Vordergrund, nicht die Entfernung kariösen Gewebes. Hierdurch werden Zahnhartgewebe erhalten, der restaurative Zyklus unterbunden und Zähne länger erhalten. Erst wenn Läsionen kavitiert und somit nicht mehr reinigungsfähig bzw. kontrollierbar sind, sollten restaurative Maßnahmen erwogen werden. Vor der Restauration wird kariöses Dentin entfernt. Dies dient der Herstellung einer stabilen Grundlage für die Restauration sowie der Bereitstellung von Kavitätenwänden, an denen die Restauration adhäsiv verankert werden kann. Die Entfernung von Bakterien oder von demineralisiertem Dentin steht hingegen heute weniger im Vordergrund. Bei der Exkavation in tiefen kariösen Läsionen in Zähnen mit vitaler, asymptomatischer Pulpa sollte die Integrität und das Überleben der Pulpa in den Vordergrund gestellt werden: Es wird daher nur so viel exkaviert, wie ohne Schädigung der Pulpa möglich ist. Peripher verbleibt nach der Exkavation hartes Dentin, pulpanah kann auch erweichtes Dentin zurückgelassen werden, um eine Pulpaexposition zu verhindern (selektive Exkavation bis zum weichen Dentin). Bei tiefen Läsionen an bleibenden Zähnen ist auch eine schrittweise Exkavation möglich. Bei flachen oder mitteltiefen Läsionen kann hingegen die Restaurationsstabilität priorisiert werden und weiches Dentin überall in der Kavität entfernt werden (selektive Exkavation bis zum festen Dentin). Die Autoren dieses Artikels würden es sehr begrüßen, wenn die hier behandelte Thematik und der bereits erzielte internationale Konsensus auch in einer nationalen Stellungnahme berücksichtigt werden würde.

(Dtsch Zahnärztl Z 2017; 72: ?-?)

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17.02.2017 - Rugzan Jameel Hussein - Thomas Schneller
Einflussfaktoren auf die zahnärztliche Prophylaxe seitens des Zahnarztes, des Patienten sowie des Gesundheitssystems:

Einführung: Die Inanspruchnahme der Prophylaxe hängt z.B. von der finanziellen Situation des Patienten, vom Interesse des zahnärztlichen Teams sowie von der Kostenübernahme durch die Krankenkassen ab. Diese Faktoren beeinflussen die Inanspruchnahme der Prophylaxe in unterschiedlichem Maß.

Methode: Die Einflussfaktoren seitens des Zahnarztes, des Patienten sowie des Gesundheitswesens wurden mittels einer schriftlichen Befragung niedergelassener Zahnärzte in Niedersachsen und Bremen im Jahr 2009 (Rücklauf 33%, n=685) und einer aktualisierten systematischen Literaturrecherche im Jahr 2015 untersucht. Die Ergebnisse beider Methoden werden miteinander verglichen, um Ergänzungen zu den Einflussfaktoren zu identifizieren.

Ergebnisse: 660Fragebögen waren auswertbar. Weibliche Zahnärzte machten 44,2% der Stichprobe (n=289) aus. Im Durchschnitt waren die Zahnärzte 46Jahre alt. Seitens des Zahnarztes waren die präventiven Kompetenzen (89,3%) und die Einstellungen der Zahnärzte (98,0%) unter den wichtigsten Einflussfaktoren. Die Ausbildung und die kontinuierliche Fortbildung des Praxispersonals (94,8%) zählten ebenfalls mit zu den wichtigsten Einflussfaktoren. Seitens des Patienten nannten die Zahnärzte das Interesse des Patienten an Prävention (98,5%) als wichtigen Einflussfaktor. Die finanzielle Situation (ca. 90%) spielte ebenfalls eine große Rolle bei der Inanspruchnahme der Prophylaxe. Seitens des Gesundheitssystems zählte die Kostenübernahme als wichtiger Einflussfaktor. Die Literaturrecherche ergab insgesamt 20Studien, die sich mit den Einflussfaktoren auf die zahnärztliche Prophylaxe befassen. Alle in der Befragung aus dem Jahr 2009 untersuchten Faktoren fanden sich in der systematischen Literaturrecherche wieder. Weiterhin zählten die Präventionsorientierung der Praxis, die sozioökonomische Situation des Patienten sowie die Kostenerstattung durch die Krankenkassen zu den wichtigsten Determinanten für Prophylaxe. Mehr neue Faktoren wurden seitens des Patienten im Vergleich zu den anderen 2Gruppen identifiziert, z.B. das Alter des Patienten. Auf Seiten des Zahnarztes wurde dessen Motivation zur Prävention durch vorherigen Erfolg als neuer Faktor identifiziert. Seitens des Gesundheitswesens konnten keine neuen Faktoren gefunden werden.

Diskussion und Schlussfolgerung: Nach wie vor sind Präventionsorientierung der Zahnarztpraxis, Zahlungsbereitschaft und die Einstellungen des Patienten sowie eine Kostenübernahme entscheidend für die Prophylaxe. Prophylaxe ist nur wirksam und medizinisch sinnvoll, wenn sie als Praxisphilosophie und Gesamtkonzept betrachtet wird. Eine klare, erkennbare Präventionsorientierung vermittelt dem Patienten den Stellenwert des vorbeugenden Vorgehens und den Wert der Gesunderhaltung, was wiederum sein Verhalten und seine Einstellungen verändern kann. Das Gesundheitssystem sollte sich verstärkt für eine präventive Orientierung zahnärztlicher Versorgung, besonders für bestimmte Risikogruppen, einsetzen und z.B. durch verstärkte Aufklärung mehr Anreize für Prophylaxe geben.

(Dtsch Zahnärztl Z 2017; 72: ?–?)

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17.02.2017 - Christian H. Splieth - Julian Schmoeckel - Elisabeth Schüler - Ruth M. Santamaria Sanchez
Prävention im Milchgebiss: das Ende einer Erfolgsstory?

Zusammenfassung: Durch evidenzbasierte Prävention konnte bei Kindern und Jugendlichen ein Caries decline erzielt werden. Dieser Kariesrückgang ist in der permanenten Dentition deutlicher ausgeprägt als im Milchgebiss. Epidemiologische Untersuchungen ergaben außerdem einen unzulänglichen Sanierungsgrad in dieser primären Dentition und eine Kariespolarisierung. Um die dentale Gesundheit der Kariesrisikogruppe weiter zu verbessern ist es zielführend, wissenschaftlich fundierte Programme auf den Ebenen der Kollektiv-, Gruppen- und Individualprophylaxe weiter auszubauen. Bewährt haben sich hierbei die dreiSäulen der Prophylaxe, bestehend aus Ernährungslenkung, Belagsentfernung und Fluoridierung, wobei die Fluoridierung nachgewiesenermaßen die wirksamste Komponente darstellt. Um die Milchzahnkaries weiter einzudämmen, sollte die zahnärztliche Gruppenprophylaxe flächendeckend und fluoridbasiert auf die kinderbetreuenden Einrichtungen, insbesondere die Kinderkrippen, ausgedehnt werden und die Frühprophylaxe ab dem ersten Milchzahn in der Zahnarztpraxis etabliert werden.

(Dtsch Zahnärztl Z 2017; 72: ?-?)

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