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10.04.2018 Steffen Müller - Stefan Rupf - Natalia Umanskaja - Matthias Hannig
Nachweis der Aktivität von Matrix-Metalloproteinasen (MMP‘s) im Wurzeldentin humaner Zähne

Einführung: Matrix-Metalloproteinasen (MMP‘s) spielen eine wichtige Rolle bei der Zahnhartsubstanzbildung. Sie sind als proteolytische Enzyme an der Degradation von Proteinen der extrazellulären Matrix in der oralen Umgebung einschließlich der dentalen Hartgewebe beteiligt. Ihre unregulierte Aktivität steht mit Krankheitsprozessen in Verbindung. Seit einiger Zeit wird eine Beteiligung der MMP‘s an der Ausbreitung kariöser Läsionen diskutiert. Lokalisation und Verteilung der MMP‘s im Dentin nach abgeschlossener Zahnentwicklung sind bisher nicht aufgeklärt und sollen in dieser Studie untersucht werden.

Material und Methode: Als Untersuchungsmaterial wurde Wurzeldentin von 30humanen Zähnen verwendet. Insgesamt wurden 3Untersuchungsgruppen mit jeweils 10Zähnen gebildet: UG1: endodontisch behandelte Zähne, UG2: nicht endodontisch behandelte Zähne und UG3: noch nicht in der Mundhöhle exponierte Zähne. Die enzymatische Aktivitätsmessung wurde mit einem Gelatinase-/Kollagenase-Assay an 90Dentin-Scheiben, die jeweils aus dem koronalen, medialen und apikalen Wurzeldentin gewonnen wurden, über 2h jeweils zum Zeitpunkt 0min, 30min, 60min, 120min, durchgeführt. Die Mittelwerte der MMP-Aktivität über 2h in µU/mg Dentin wurden mit dem Shapiro-Wilk-Test auf Normalverteilung geprüft. Der Vergleich der koronalen, medialen und apikalen Werte innerhalb der Gruppen erfolgte mit dem gepaarten T-Test, während die Unterschiede der Mittelwerte zwischen den Untersuchungsgruppen mit dem ungepaarten T-Test überprüft wurden. Als Signifikanzniveau wurde ein Wert von p?0,05 definiert.

Ergebnisse: An allen Dentin-Scheiben konnte enzyma-tische Aktivität nachgewiesen werden. Bezogen auf das Dentin der gesamten Zahnwurzel wurden über 2h für UG1 (endodontisch behandelt) im Mittel 4,8×10-1µU/mg, für UG2 (nicht endodontisch behandelt) 4,7×10-1µU/mg und für die Zähne der UG3 (noch nicht in der Mundhöhle exponiert) 4,8×10-1µU/mg enzymatischer Aktivität ermittelt. Die Ergebnisse der UG1, UG2 und UG3 unterschieden sich statistisch nicht voneinander. Innerhalb der Untersuchungsgruppen konnten von koronal nach apikal für UG1 mit Aktivitätswerten von 4,4×10-1µU/mg für die koronale Schnittebene, 4,7×10-1µU/mg für die mediale Schnittebene und 5,4×10-1µU/mg für die apikale Schnittebene statistisch signifikante Unterschiede gemessen werden. Für UG2 wurden für die koronale Ebene mit 4,2×10-1µU/mg, für die mediale mit 4,7×10-1µU/mg und für die apikale Ebene mit 5,1×10-1µU/mg Aktivität ebenfalls statistisch signifikante Unterschiede gemessen. In UG3 unterschieden sich die Werte aller Ebenen, 3,8×10-1µU/mg für die koronale Schnittebene, 4,5×10-1µU/mg für die mediale Schnittebene und 6,0×10-1µU/mg für die apikale Schnittebene, statistisch signifikant voneinander.

Schlussfolgerung: Die Ergebnisse dieser Studie wiesen erstmals MMP-Aktivität am Dentin-Hartmaterial nach. In allen Untersuchungsgruppen nahm die MMP-Aktivität von koronal nach apikal zu. Die generell bestehende Aktivierbarkeit von MMP‘s, die seit ihrer Synthetisierung und Sezernierung in die mineralisierte Dentin-Matrix bei der Dentinogenese eingeschlossen waren, zeigt die außerordentliche Stabilität und Langlebigkeit dieser Enzyme.(Dtsch Zahnärztl Z 2018; 73: ?-?)

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16.04.2018 Dominik Groß
Zahnärzte als Täter

Zusammenfassung: Der vorliegende Beitrag präsentiert und diskutiert die Zwischenergebnisse des Aufarbeitungsprojekts zur Rolle der deutschen Zahnärzte im „Dritten Reich“. Dabei setzt er seinen Schwerpunkt bewusst auf Zahnärzte als Täter. Den Ausgangspunkt des Aufsatzes bilden Erklärungsansätze für die vergleichsweise späte Aufarbeitungsinitiative. Anschließend gilt es das Verhältnis der zeitgenössischen Zahnärzteschaft zum aufstrebenden Nationalsozialismus am Ende der Weimarer Republik sowie die strukturellen und organisatorischen Veränderungen der deutschen Zahnärzteschaft nach der Machtergreifung Hitlers zu umreißen. Es folgen eine konzise Darstellung zu den Zahnärzten, die als Opfer der Nationalsozialisten anzusehen sind, sowie eine kritische Diskussion von Fällen, die weder in die Täter- noch in die Opferkategorie zu passen scheinen. Im Mittelpunkt des Beitrags steht jedoch die Gruppe der Zahnärzte, die im „Dritten Reich“ eindeutig als Täter hervortraten. Dabei werden einzelne Täterrollen differenziert und die jeweilige Verstrickung der Zahnärzte erläutert. Schließlich gilt es zu klären, inwieweit es den Betreffenden gelang, ihre Karrieren nach 1945 fortzusetzen.

Der Beitrag dokumentiert eine erhebliche Verstrickung deutscher Zahnärzte und Kieferchirurgen in das politische System – im Bereich der Waffen-SS, in den Konzentrationslagern, im Diskurs um die Zwangssterilisationen von Spaltträgern, bei der „Säuberung“ der Hochschulen sowie bei der Verbreitung rassenhygienischer und antisemitischer Ideen im Rahmen der „Biologischen Zahnheilkunde“ und der „arteigenen“ Ernährung. Zudem ist festzuhalten, dass die Mehrheit der Täter ihre Karrieren nach 1945 fortsetzen oder sogar ausbauen konnte.

(Dtsch Zahnärztl Z 2018; 73: ??–??)

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