Praxis

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FALLBERICHT
Ausgabe: 07/2014 - S. Hahnel, A. Moralis, A. Castro Laza
Interdisziplinäre Rehabilitation eines Patienten mit Amelogenesis imperfecta und ausgeprägtem skelettal offenen Biss

Einführung: Die Behandlung von Patienten mit Amelogenesis imperfecta ist langwierig und in vielen Fällen nur in einem interdisziplinären Team möglich. Aufgrund der Komplexität der Behandlung und der Diversität der einzelnen Fälle stellen Fallberichte die zum gegenwärtigen Zeitpunkt höchste wissenschaftliche und klinische Evidenz zur Behandlung dieser Patienten dar. Im vorliegenden Fallbericht wird die erfolgreich abgeschlossene komplexe interdisziplinäre Rehabilitation eines Patienten mit Amelogenesis imperfecta und ausgeprägtem skelettal offenen Biss exemplarisch dargestellt.

Behandlungsmethoden: Die Behandlung des 22-jährigen Patienten mit Amelogenesis imperfecta und ausgeprägtem skelettal offenen Biss erfolgte in einem interdisziplinären Team aus Kollegen der Kieferorthopädie, Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie und der zahnärztlichen Prothetik des Universitätsklinikums Regensburg. In diesem Kontext wurde zunächst eine präkieferorthopädische prothetische Behandlung durchgeführt, um die Molaren vor Abrasionen zu schützen und eine suffiziente adhäsive Befestigung der kieferorthopädischen Apparaturen zu ermöglichen. Im Anschluss erfolgten die kieferorthopädische Ausformung der Zahnbögen und im Verlauf eine bimaxilläre Umstellungsosteotomie mittels Le-Fort-I-Osteotomie im Oberkiefer und sagittaler Spaltung des Unterkiefers in der Technik von Obwegeser und Dal Pont. Nach Feinausformung der Zahnbögen durch die Kollegen der Kieferorthopädie wurde die definitive prothetische Versorgung des Patienten mit vollkeramischen Kronen vorgenommen; von kieferorthopädischer Seite erfolgte die Anfertigung von Retentionsgeräten.

Ergebnisse: Nach Abschluss der kombinierten Behandlung konnte ein in funktioneller und ästhetischer Hinsicht sowohl für den Patienten als auch für das interdisziplinäre Behandlerteam überaus zufriedenstellendes Ergebnis erzielt werden. Der Patient ist völlig beschwerdefrei und nimmt an einem engmaschigen Recall teil, um den Behandlungserfolg auch langfristig zu sichern.

Schlussfolgerung: Der vorliegende Fall zeigt, wie essenziell eine enge interdisziplinäre Kooperation der Kollegen der Kieferorthopädie, der Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie sowie der zahnärztlichen Prothetik im Rahmen der funktionellen und ästhetischen Rehabilitation von Patienten mit Amelogenesis imperfecta und skelettal offenem Biss ist. Die geringe wissenschaftliche Evidenz zur Behandlung dieser Patienten regt zur Durchführung von Multi-Center-Studien an, um gerade auch den langfristigen Erfolg der aufwändigen Behandlung besser einschätzen zu können.

(Dtsch Zahnärztl Z 2014; 69: 383–390

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Ausgabe: 08/2014 - R. Krug
Multiple orthograde Revisionen vor prothetischer Neuversorgung – ein Fallbericht

Einführung: Bei der Planung von festsitzendem Zahnersatz mit endodontisch insuffizienten erhaltungswürdigen Pfeilerzähnen hängt die Prognose der prothetischen Versorgung wesentlich vom Erfolg der endodontischen Therapie ab. Günstiges Kriterium für einen therapeutischen Erfolg einer Wurzelkanalbehandlung ist klinische Symptomfreiheit ohne röntgenologische Läsion. Das Ausmaß der Infektion im Endodont, der Umfang mechanischer Präparation und das Auftreten therapeutischer Fehler können die Erfolgsaussicht der Wurzelkanalrevision herabsetzen und somit das prothetische Konzept verändern. Das Unterlassen der Revision einer insuffizienten Wurzelkanalbehandlung vor prothetischer Versorgung gilt als fehlerhaft.

Material und Methoden: Im vorliegenden Fallbericht wird die präprothetische Behandlung von 6 endodontisch kompromittierten Oberkieferzähnen (14, 13, 11, 22, 25, 26) einer 55-jährigen Patientin mittels orthograder Revision beschrieben. Die ursprünglichen Wurzelkanalfüllungen wiesen deutliche Mängel hinsichtlich ihrer technischen Qualität auf. Sie waren nicht ausreichend wandständig und reichten bis ins apikale (22, 25, 26) oder nur bis ins mittlere Wurzeldrittel (14, 11). An einem Zahn (13) zeigte sich eine Läsion endodontischen Ursprungs. Während der Therapie trat als Komplikation eine Instrumentenfraktur an einem bereits bestehenden Feilenfragment auf. Die Kanalsysteme wurden warm-vertikal in der Continuous Wave-Technik nach Buchanan [4] obturiert. An Zahn 11, 22 und im palatinalen Kanal von 26 wurde jeweils ein Glasfaserstift adhäsiv eingesetzt.

Ergebnisse: Nach erfolgreicher Fragmententfernung mittels Ultraschallspitzen und dem Abschluss der endodontischen Revisionen an den betroffenen Oberkieferzähnen konnte eine stabile prothetische Neuversorgung ohne Verlust eines Zahnes angefertigt werden. Die Kontrolle nach bis zu 30 Monaten zeigte klinisch einen beschwerdefreien Verlauf bei röntgenologisch unauffälligen periapikalen Regionen und der Ausheilung der Läsion endodontischen Ursprungs an Zahn 13.

Schlussfolgerung: Ein endodontisch behandelter Pfeilerzahn in einer prothetischen Versorgung besitzt generell ein erhöhtes Komplikationsrisiko. Dies kann jedoch durch eine sorgfältige endodontische Behandlung mit guter Prognose vor restaurativer Therapie reduziert werden. Der vorliegende Fallbericht beschreibt die erfolgreiche orthograde Revision 6 endodontisch kompromittierter Oberkieferzähne bei prognostisch günstiger Ausgangssituation und den konsequenten Umgang mit der iatrogenen Komplikation einer Instrumentenfraktur. Die interdisziplinäre Therapie ermöglichte den Erhalt von allen endodontisch behandelten Zähnen und ihre zuverlässige Einbindung in die prothetische Neuversorgung.

(Dtsch Zahnärztl Z 2014; 69: 438–445)

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Ausgabe: 09/2014 - F. L. Ulmer
Implantatprothetische Rehabilitation eines Patienten nach Tumorresektion und Rekonstruktion

Einführung: Patienten mit chirurgischer Rekonstruktion nach oraler Tumorresektion sind eine Herausforderung für den behandelnden Zahnarzt. Die rekonstruierte Basis für eine prothetische Versorgung erfordert eine an das klinische Bild angepasste Vorgehensweise.

Behandlungsmethode: Der vorgestellte Fall beschreibt die umfassende prothetische Versorgung mit implantatgestütztem herausnehmbaren Zahnersatz bei einem Patienten mit rekonstruiertem Unterkiefer nach Entfernung eines Plattenepithelkarzinoms bei Fazialisparese und Xerostomie.

Schlussfolgerung: Unter interdisziplinärer Berücksichtigung der Vorerkrankung und ihrer Folgeerscheinungen kann eine individuelle prothetische Behandlung nach Tumorresektion und mandibulärer Rekonstruktion erfolgen. Die interdisziplinäre Nachsorge ermöglicht eine gute Langzeitprognose der prothetischen Versorgung bei Tumorpatienten.

(Dtsch Zahnärztl Z 2014; 69: 488–493)

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Ausgabe: 01/2014 - R. Vollmuth1
Zwischen Therapiefreiheit und Gehorsamspflicht: Fachliche Differenzen in einem Unterstellungsverhältnis

Einführung: Der Zahnarzt wird immer wieder mit ethischen Dilemmasituationen konfrontiert, die ihn vor die Herausforderung stellen, rational und nachvollziehbar zwischen verschiedenen, miteinander nicht zu vereinbarenden Handlungsoptionen entscheiden zu müssen. Dies gilt auch für den truppenzahnärztlichen Alltag. Jedoch sind hier noch weitere Besonderheiten zu beachten, die die Entscheidungsfindung zusätzlich erschweren können: beispielsweise die Sonderstellung der Patienten als Soldaten, z.T. diskrepante (standes- und status-)rechtliche Vorgaben für die Behandler, die Einbindung in ein hierarchisch strukturiertes System und dienstliche Erfordernisse.

Methode: Anhand eines (fiktiven, aber realitätsnahen) Falles aus der truppenzahnärztlichen Praxis werden mögliche Konfliktfelder aufgezeigt. Nach der Diskussion rechtlicher Grundlagen und Besonderheiten wird der Fall anhand der sogenannten Prinzipienethik nach Tom L. Beauchamp und James F. Childress betrachtet und eine Lösung erarbeitet.

Ergebnis/Schlussfolgerung: Mit den Instrumenten der Medizinethik – hier konkret der Anwendung der Prinzipienethik nach Beauchamp und Childress – ist es möglich, ethische Probleme und Dilemmasituationen zielführend zu analysieren und durch die Abwägung und Gewichtung der einzelnen Argumente zu einer tragfähigen und nachvollziehbaren Entscheidung zu gelangen. Hieraus ist der Anspruch abzuleiten, die Handhabung dieser bewährten und im Alltag gut anwendbaren Bewältigungs- und Entscheidungsstrategien zu vermitteln und einzuüben. Dies gilt auch und besonders für hierarchisch gegliederte Systeme, die trotz der (scheinbar) klaren Vorgaben den einzelnen Zahnarzt/Arzt nicht aus seiner individuellen Verantwortung entlassen.

(Dtsch Zahnarztl Z 2014; 69: 17–24)

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Ausgabe: 02/2014 - P. Güß1
Minimalinvasives Behandlungskonzept: Vollkeramische Rehabilitation extendierter erosiver Zahnhartsubstanzdefekte

Einleitung: Nicht kariöse Zahnhartsubstanzdefekte aufgrund von Erosionen führen vor allem bei jungen Patienten häufig zu Zahnüberempfindlichkeiten, einem ausgeprägten Verlust der vertikalen okklusalen Distanz und assoziierten ästhetischen Defiziten.

Material und Methode: Die vor allem palatinal ausgeprägten erosiven Defekte können im Frontzahn und anterioren Seitenzahnbereich mit minimalinvasiven presskeramischen Kronen ästhetisch restauriert werden. Monolithische defektbezogene Onlayversorgungen mit reduzierter Keramikschichtstärke ermöglichen im posterioren Seitenzahnbereich eine funktionelle und zuverlässige Rekonstruktion der Okklusalflächen. Der Behandlungsablauf des minimalinvasiven Konzepts unter Anwendung presskeramischer Restaurationen wird dargestellt und mit klinisch relevanten, wissenschaftlichen Daten untermauert.

Ergebnisse und Schlussfolgerung: Defektbezogene adhäsiv befestigte presskeramische Restaurationen stellen eine ästhetische, funktionelle und minimalinvasive Behandlungsoption zur Rehabilitation komplexer Behandlungsfälle bei erosiven Zahnhartsubstanzverlusten dar.

(Dtsch Zahnärztl Z 2014; 69: 78–87)

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EVIDENZBASIERTE ZAHNMEDIZIN
Ausgabe: 08/2014
Evidence-based Dentistry – Tipps für die Praxis. Fall 9: Gibt es in unserer Gesellschaft tatsächlich mehr mentale Erkrankungen als früher?

Liebe Kolleginnen und Kollegen, seit Monaten schon beschäftigen sich Fach-, Wochen- und Tagespresse sowie viele populär-wissenschaftliche Bücher mit der fünften Ausgabe des Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders (DSM) [9]. Der SPIEGEL betitelte seine vierte Ausgabe des vergangenen Jahres mit „Die Psycho-Falle“. Darin wurde u.a. berichtet, dass ab sofort eine länger als zwei Wochen anhaltende Trauer nach dem Todesfall eines nahestehenden Menschen nun als sog. „major depression“ klassifiziert werden darf [32]. Bücher wie „Saving normal“ [11] oder „Cracked. Why psychiatry is doing more harm than good.“ [7] wurden pub-liziert. Beide üben massive Kritik an der Neuauflage des Klassifikations-Klassikers.

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Ausgabe: 02/2014
Evidence-based Dentistry – Tipps für die Praxis. Fall 8: Molaren-Inzisiven-Hypomineralisation

Liebe Kolleginnen und Kollegen, da auch die Tages- und Wochenpresse sich gegenwärtig gehäuft mit dieser Erkrankung der Zähne beschäftigt, möchten wir innerhalb dieses Beitrags das gegenwärtige Wissen um die Molaren-Inzisiven-Hypomineralisation (MIH) thematisieren. Die verschiedenen Berichte sind, insbesondere für den Laien, bisher sehr widersprüchlich und gerade für die Eltern betroffener Kinder irritierend. So schreibt z.B. der Spiegel [7] „Lösen Umweltgifte die rätselhafte Krankheit aus?“. In dem genannten Artikel werden sehr viele, vielleicht aber nur vermeintliche Auslöser diskutiert. Zurück bleibt meist einzig der Eindruck, man wisse nichts über diese Erkrankung – im Grunde genommen nicht einmal, ob sie tatsächlich als neu einzustufen sei. Daher werden wir im Folgenden eine Zusammenstellung der bisher besten verfügbaren Evidenz zu Ätiologie und Therapie geben.

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PRAXISLETTER
Ausgabe: 07/2014
Dentales Zirkoniumdioxid und Strahlenexposition

Der Werkstoff Zirkoniumdioxid ist in der Zahnmedizin seit Jahren etabliert. Dennoch werden immer wieder Befürchtungen geäußert, dass von Zirkoniumdioxid eine Strahlenexposition ausgehen könnte. Die vorliegende Publikation geht dieser Frage nach und analysiert den derzeitigen Stand des Wissens. Im Artikel wird durchgehend von Strahlenexposition und nicht von Strahlenbelastung gesprochen, da bei einer Strahlenexposition ihre Höhe entscheidet, ob letztendlich auch eine Strahlenbelastung vorliegt.

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Ausgabe: 08/2014
Infraktionen

Unter dem Cracked-Tooth-Syndrom versteht man die unvollständige Fraktur der Zahnkrone eines Prämolaren oder Molaren. Es handelt sich dabei um einen Riss oder Sprung in der Zahnhartsubstanz, der durch den Schmelz in das Dentin reicht, sich auf die Zahnkrone beschränken kann oder bis in die Wurzel hineinzieht. Die Ausrichtung der Frakturlinie ist vorwiegend vertikal und in mesio-distaler Richtung, sodass gerade bei Zähnen, die bereits mit einer Restauration versorgt sind, die Diagnostik besonders erschwert ist. Am häufigsten betroffen sind die Unterkiefermolaren (48%) gefolgt von den Oberkiefermolaren (28%), den Oberkieferprämolaren (16%) und abschließend den Unterkieferprämolaren (6%) [8]. Man unterscheidet zwei klassische Frakturformationen. Bei dem ersten Typ ist der Frakturspalt von zentral ausgehend und birgt die Gefahr einer Pulpabeteiligung, wohingegen die periphere Frakturlinie eher zu einer Höckerfraktur führt [7]. Um Infraktionen vermeiden und behandeln zu können, ist es wichtig, die Ätiologie und die verschiedenen prädisponierenden Faktoren (Tab. 1) des Cracked-Tooth-Syndroms zu kennen, da bei diesen Zähnen die Frakturresistenz deutlich herabgesetzt ist. Dies liegt vor allem an einem vorherigen Zahnhartsubstanzverlust oder einer ungünstigen Morphologie des Zahnes.

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ZEITSCHRIFTENREFERAT
Ausgabe: 06/2014
Der Einsatz anteriorer „Korbkronen“ in entlegenen Gemeinden Amazoniens

Der Autor dieses Artikels beschreibt die in entlegenen Gemeinden Amazoniens übliche Versorgungen von Frontzähnen mit Einzelkronen in Form von „Korbkronen“. Auch nach Frontzahnverlust werden Brücken dort oft mit „Korbkronen“ verankert. Die „Korbkrone“ ist dadurch charakterisiert, dass sie den Zahn auf drei Seiten weitgehend umschließt aber vestibulär ein offenes Fenster hat, durch das der natürliche Zahn sichtbar ist, und so die Krone keiner Verblendung bedarf. Der dadurch im sichtbaren Bereich entstehende „Goldrahmen“ um den natürlichen Zahn wird in einigen Kulturen als „ästhetisch“ und dekorativ empfunden. In Amazonien wird als Gerüstmaterial für diese Kronen meist „Oropel“ verwendet, was als „Rauschgold“ übersetzt werden könnte. Es handelt sich dabei um eine Messinglegierung, die ein goldähnliches Aussehen hat. Die „Korbkronen“ werden meist von „Back Street Dentists“, also schlecht ausgebildeten Zahnärzten ohne offizielle Zulassung, eingesetzt. Solche „Street Dentists“ praktizieren in vielen Ländern von Indien über Brasilien bis Marokko. Trotz ihrer Bedeutung für viele ärmere Patienten in den Entwicklungs- und Schwellenländern findet ihre Existenz und ihr Vorgehen in der wissenschaftlichen Fachliteratur meist keine Erwähnung.

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