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ORIGINALARBEITEN
Ausgabe: 04/2012 Th. Schneller - L. Dehne
Unterscheidung von Prophylaxe-Patienten hinsichtlich ihrer Motivierbarkeit und Mitarbeitsbereitschaft

Einleitung: Anhand von 5 Fragen zu ihren Mundpflegegewohnheiten und zu beabsichtigten Änderungen dieses Verhaltens wird eine Klassifizierung auf die 5 Stufen des Transtheoretischen Modells (TTM) versucht. Durch 3 weitere Fragen (Häufigkeit der Zahnarztbesuche, Inanspruchnahme von professioneller Zahnreinigung, Wahrnehmung eigener oraler Probleme) wird geprüft, ob die Stufeneinteilung hinreichend valide ist und somit das TTM zur Klassifikation zahnärztlicher Prophylaxe-Patienten geeignet erscheint.

Ergebnisse: 522 Patienten aus 10 verschiedenen Zahnarztpraxen (Durchschnittsalter: 42 J.; SD=15,6; 61,8% weiblich) ließen sich gut auf die TTM-Stufen einteilen (34% auf die Stufen der Absichtslosigkeit bzw. Absichtsbildung; 23% Vorbereitungsstufe, 14% Handlungsstufe; 29% Stufe der Aufrechterhaltung). Die Validitätsprüfung ergab einleuchtende Zusammenhänge zwischen der gefundenen Stufeneinteilung und den Abständen zwischen den zahnärztlichen Kontrollbesuchen sowie der Wahrnehmung von professionellen Zahnreinigungen.

Diskussion: Die Einteilung der Patienten auf die 5 Stufen der Veränderungsbereitschaft ist auch in der Zahnmedizin möglich. Dadurch können Patienten auf jeweils gleicher Stufe mit ähnlichen Verhaltensweisen, Gefühlen und Gedanken gezielter angesprochen und prophylaktisch betreut werden.

(Dtsch Zahnärztl Z 2012, 67: 248–253)

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Ausgabe: 04/2012 W. Geurtsen - A.K. Lührs - B. Görmann
Reparatur von Siloranen nach verschiedenen Oberflächenbehandlungen und künstlicher Alterung durch Thermocycling

Zielsetzung: Ziel dieser In-vitro-Studie war die Beurteilung der Mikrozugfestigkeit von Siloranreparaturen in Abhängigkeit von verschiedenen Oberflächenbehandlungen und Alterung durch Thermocycling (TC).

Material und Methoden: Dazu wurden 54 (5x5x5 mm) Siloranblöcke hergestellt und in Kochsalzlösung gelagert (24h/37°C). Die Oberfläche aller Blöcke wurde unter Kühlung angeraut (600grit), für 10s konditioniert (Orthophosphorsäure 37%) und anschließend für 30s mit Wasser abgespült. Die Reparatur wurde mit neun verschiedenen Oberflächenbehandlungsmethoden mit Siloran durchgeführt (n=6): keine zusätzliche Oberflächenbehandlung (NT), Siloran Bonding (B), Siloran Primer und Bonding (P/B), Sandstrahlen mit Aluminiumoxid (SB), SB mit B (SB/B), SB mit P/B (SB/P/B), Silikatisierung/ Silanisierung (CJ), CJ mit B (CJ/B), CJ mit P/B (CJ/P/B). Als Positivkontrolle (PK) dienten nicht reparierte Siloranblöcke (10x5x5mm). Die Blöcke wurden in Stäbchen mit einer Verbundfläche von ca. 1mm2 zersägt (30 Stäbchen pro Gruppe). Nach einer 6-monatigen Alterung bei 37°C in Kochsalzlösung und TC (5000 Zyklen, 5°C/55°C) wurde der Mikrozugversuch durchgeführt (Vorschubgeschwindigkeit 1mm/min) und statistisch ausgewertet (ANOVA, Tukey HSD, p0,05).

Ergebnisse: Es bestanden signifikante Unterschiede zwischen den verschiedenen Oberflächenbehandlungsmethoden (p0,001). Die größte Mikrozugfestigkeit wurde für die Gruppe CJ/B (50,0±11,5 MPa) ermittelt. Bei allen unterschiedlichen Oberflächenbehandlungsmethoden (SB, CJ, NT) führte die Anwendung des Bondings zu einer Erhöhung der Verbundfestigkeit. Das zusätzliche Auftragen des Primers (P/B, SB/P/B, CJ/P/B) bewirkte eine Verminderung der Mikrozugfestigkeiten.

Schlussfolgerung: Siloranreparaturen sollten mit CJ/B durchgeführt werden, in jedem Fall jedoch die Anwendung des Siloran-Bondings beinhalten. Eine Anwendung des Primers führt zu einer Verminderung der Haftwerte.

(Dtsch Zahnärztl Z 2012, 67: 241–247)

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Ausgabe: 05/2012 C. Wissel - A. Wannemüller - H.P. Jöhren
Burnout bei Zahnärzten – Ergebnisse einer bundesweiten Onlinebefragung in Deutschland

Einleitung: Internationale Studien zeigen, dass Burn-out im zahnmedizinischen Arbeitsfeld ein ernstzunehmendes Berufsrisiko darstellt. Mit Hilfe einer explorativen Querschnittsuntersuchung sollten erste bundesweite Daten zum Burnout-Phänomen unter deutschen Zahnmedizinern gesammelt werden.

Material und Methoden: Die Universität Witten-Herdecke führte in Zusammenarbeit mit dem Arbeitskreis für Psychologie und Psychosomatik der DGZMK von Mai bis Dezember 2010 eine bundesweit angelegte Onlinebefragung durch. Als Messinstrumente dienten Fragebögen zur Persönlichkeits-, Stress- und Burnoutanalyse (Maslach-Burnout-Inventory in einer deutschen Übersetzung).

Ergebnisse: Insgesamt beteiligten sich 1.231 Zahnärzte an der computervermittelten Befragung. 60,99% (N=730) der Studienteilnehmer bezeichneten die zahnärztliche Berufsausübung als „überdurchschnittlich stressig“. Stressbedingte Symptome wie Antriebsmangel, Müdigkeit, Schlafstörungen und Ängste gaben jeweils mehr als die Hälfte der Zahnmediziner an. 44% (N=506) der Zahnärzte leiden nach eigenen Angaben an Depressionen, 13% (N=148) hatten bereits Suizidgedanken. Als die bedeutendsten (Dis)stressfaktoren wurden eigene Misserfolge und Behandlungsfehler, der eigene Perfektionismus und Qualitätsanspruch, sowie die Vielzahl der Verwaltungstätigkeiten ermittelt. Die Burnout-Analyse erbrachte für die Kernskala des MBI „emotionale Erschöpfung“ einen Mittelwert von 26,3 (SD 11,9), für die Skala „Depersonalisierung“ einen Mittelwert von 8,0 (SD 6,2) und für die invers skalierte Subskala „Reduziertes persönliches Leistungsempfinden“ einen Mittelwert von 37,5 (SD 7,8). Die Burnout-Prävalenzberechnungen ermittelten einen Anteil von 13,6% (N=137) Burnout-betroffener deutscher Zahnärzte. Einem Burnout-Risiko unterliegen 31,9% (N=322) der studienteilnehmenden Zahnmediziner.

Schlussfolgerung: Die Resultate verdeutlichen die Bedeutung der aktiven Auseinandersetzung mit der Burnout-Thematik. Als zukunftsorientiertes Ziel gilt es, die Morbidität des Burnout-Syndroms zu minimieren.

(Dtsch Zahnärztl Z 2012, 67: 317–326)

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Ausgabe: 05/2012 P. Rammelsberg - A.J. Hassel - N. Corcodel - E. Cevirgen - J.C. Hassel
Augen-, Haar-, Hautfarbe und Geschlecht als Prädiktoren für die Zahn- farbe im 6. Lebensjahrzehnt

Einführung: Untersuchung der Möglichkeit der Prädiktion der Zahnfarbe von Probanden im sechsten Lebensjahrzehnt aus Augen-, Haar- und Hautfarbe und dem Geschlecht.

Material und Methode: Die Zahnfarbe wurde mittels eines Spektrophotometers gemessen und die Helligkeit (L*), Sättigung (C*) und Farbton (h°) notiert. Multivariate Analysen mit L*, C*, und h° als abhängige Variablen und Augen-, Haar- und Hautfarbe, sowie dem Geschlecht als kategorisierte unabhängige Variablen wurden berechnet.

Ergebnis: Die Augenfarbe war weder für L*, C* noch h° ein signifikanter Prädiktor. Rote Haarfarbe war gegenüber schwarzer statistisch signifikant assoziiert mit höherer Helligkeit, geringerer Sättigung und weniger rötlichen Zahnfarbe. Eine hellere Hautfarbe prädiktierte teilweise eine hellere, weniger gesättigte und weniger rötliche Zahnfarbe. Männliches Geschlecht war assoziiert mit gesättigterer Zahnfarbe.

Schlussfolgerung: Es konnten signifikante und teils klinisch relevante Assoziationen zwischen der Zahnfarbe und dem Geschlecht, sowie der Haar- und Hautfarbe beschrieben werden. Diese können als Prädiktoren für die Zahnfarbe Hilfestellung beispielsweise bei der Rehabilitation des Zahnlosen dieser Altersgruppe geben.

(Dtsch Zahnärztl Z 2012, 67: 300–306)

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Ausgabe: 05/2012 A. Steinhoff-Schattenberg - I. Rullmann - M. Khalilullah - B. Azrak - B. Willershausen - C.P. Ernst
Relevanz von Hand-Radiometermessungen

Einführung: Ziel der vorliegenden Studie war es, 6 handelsübliche Radiometergeräte (LED Radiometer/Kerr Demetron, Optilux Radiometer/Kerr Demetron, LED Radiometer/SDI, Coltolux Radiometer/Coltene, Cure Rite/DENTSPLY) und einen neu entwickelten Radiometer (Blue-phase-meter/Ivoclar Vivadent) in ihrer Messgenauigkeit mit einer Ulbricht-Kugel zu vergleichen (n=10).

Material und Methode: Hierzu wurde die Lichtleistung von 8 LED-Geräten (Elipar FreeLight 2, Bluephase, Bluephase 16i, Mini LED, LEDemetron II, Smartlite PS, Translux PowerBlue, Radii) und 3 Halogen-Polymerisationsgeräten (Optilux 501, Trilight, Astralis 10) herangezogen.

Ergebnisse: Die mittleren Lichtemissionsleistungen [mW/cm2] der LED-Polymerisationsgeräte waren [%]: Bluephase-meter 80%, LED Radiometer/SDI 89%, Cure Rite 86%, Coltolux Radiometer 80%, LED Radiometer/Kerr Demetron 67%, Optilux Radiometer 60%. Die der untersuchten Halogenlichtgeräte waren: Bluephase-meter 112%, LED Radiometer/SDI 71%, Cure Rite 113%, Coltolux Radiometer 107%, LED Radiometer/Kerr Demetron 70%, Optilux Radiometer 68%.

Schlussfolgerung: Alle untersuchten Radiometer zeigten sowohl falsch positive als auch falsch negative Werte. Das Bluephase-meter zeigte über alle verwendeten Lichtgeräte die der Ulbricht-Kugel am nächsten liegenden mittleren Messwerte.

(Dtsch Zahnärztl Z 2012, 67: 307–316)

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Ausgabe: 06/2012 N. Vogel
Effektivität aktiver Übungen in der Therapie Craniomandibulärer Dysfunktionen (CMD) –
ein systematisches Review

Einführung: Störungen am Kiefergelenk treten mit hoher Prävalenz auf und können weitreichende Konsequenzen haben. Da aktive Behandlungsmodalitäten zunehmend an Relevanz gewinnen, sollte deren Evidenz auch für das Kiefergelenk überprüft werden. Dieses Review soll den derzeitigen Stand der Forschung bezüglich der Effektivität aktiver Übungstherapie bezogen auf das Kiefergelenk darlegen.

Methode: Die Literaturrecherche fand in den Datenbanken von PubMed, CINAHL und PEDro statt. Aus den letzten 14 Jahren konnten 11 für die Fragestellung relevante Publikationen über RCTs identifiziert werden.

Ergebnisse: Eine statistisch signifikante Effektivität hinsichtlich aktiver Übungen für das Kiefergelenk ist sowohl kurzfristig als auch längerfristig nachweisbar. Verschiedene Übungsprotokolle zeigen positive Resultate. Übungen direkt am Kiefergelenk scheinen insbesondere bei Diskusverlagerungen wirksam, haltungsverbessernde Maßnahmen eher bei myofaszialen bzw. chronischen CMD effektiv.

Schlussfolgerung: Der Einsatz aktiver Übungstherapie für das Kiefergelenk kann mit einem Evidenzlevel Ib empfohlen werden. Vor allem für die Parameter Schmerzminderung, Verbesserung der Gelenkbeweglichkeit und Alltags-Aktivitäten lassen sich signifikante Nachweise finden.

(Dtsch Zahnärztl Z 2012, 67: 372–384)

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Ausgabe: 06/2012 M. Stiesch - A. Demling - M. Fink - H. Buhck - E. Cay - M. Shapev - B. Schwab
Einflüsse okklusaler Interventionen auf den Gleichgewichtssinn

Einführung: In der Literatur werden immer wieder Zusammenhänge zwischen Erkrankungen des cochleovestibulären Systems und kraniomandibulären Dysfunktionen (CMD), die unter anderem durch okklusale Interferenzen hervorgerufen werden können, diskutiert. Ein Zusammenhang zwischen Malokklusion und Gleichgewichtssinn wäre somit ein Bindeglied zwischen CMD und dem cochleovestibulären System.

Material und Methode: 26 gesunde beschwerdefreie Probanden im Alter zwischen 23 und 35Jahren (27,4±2,8Jahre) wurden unter unterschiedlichen Untersuchungsbedingungen mit der dynamischen Posturographie (EquiTest-System) untersucht. Die Bedingungen waren Unterkiefer-Ruhe-position, habituelle Okklusion (je n=11), adjustierte Schiene und Hypomochlionschiene (je n=26). Der Vergleich der Daten erfolgte mittels dem U-Test und dem Spearman‘schen Rang-Korrelationskoeffizienten auf einem Signifikanzniveau von p0,05.

Ergebnisse: Die statistische Analyse ergab keine signifikanten Unterschiede zwischen den vier Versuchsmodalitäten. Allerdings konnten deutliche Einflüsse des Alters und des Body-Mass-Index sowie, weniger ausgeprägt, des Geschlechts auf den Ausgang der Versuche festgestellt werden.

Schlussfolgerung: Die Ergebnisse der vorliegenden Studie zeigen, dass durch kurzzeitige okklusale Interferenzen eine Beeinflussung des Gleichgewichtssinns nicht gegeben ist. Vor diesem Hintergrund müssen Untersuchungen des Gleichgewichtssinns zur Diagnostik von Patienten mit CMD kritisch hinterfragt werden.

(Dtsch Zahnärztl Z 2012, 67: 364–371)

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Ausgabe: 06/2012 M. Kern - P. Pospiech - M.H. Walter - G. Heydecke - A. Weber - H. Stark - B. Wöstmann - I. Gitt - K. Böning - S. Wolfart - D. Werner - M. Stumbaum - E.J. Richter - T. Mundt - B. Marré - R.G. Luthardt - A. Ludwig - F. Jahn - W. Hannak - S. Hartmann - J. Gerß - E. Busche
Randomisierte Studie
zur verkürzten Zahnreihe: 5-Jahresergebnisse
der Pilotstudie*

Einleitung: Bei verkürzten Zahnreihen steht dem Ersatz endständiger Zähne das Konzept der verkürzten Zahnreihe gegenüber, das eine Prämolarenokklusion als akzeptables Funktionsniveau beschreibt. Ziel der Studie war die Untersuchung der Outcomes von Therapieformen mit und ohne Molarenersatz.

Material und Methode: Die Einschlusskriterien umfassten das Fehlen aller Molaren in einem Kiefer bei vorhandenen Eckzähnen und mindestens einem Prämolaren auf jeder Seite. In einem multizentrischen Studiendesign wurden 32 Patienten randomisiert zwei Therapieformen zugeordnet. Es erfolgte entweder eine Wiederherstellung der Zahnreihe durch eine geschiebeverankerte herausnehmbare Prothese (Prothesengruppe) oder die Beibehaltung oder Wiederherstellung einer Prämolarenokklusion (Verkürzte-Zahnreihe-Gruppe).

Ergebnisse und Schlussfolgerung: 25 Patienten erreichten die 5-Jahresuntersuchung. Für Zahnverlust, Plaqueakkumulation und Karies wurden keine signifikanten Unterschiede zwischen den Gruppen gefunden. In der Prothesengruppe waren jedoch signifikant mehr Patienten von einer Zunahme des vertikalen Attachmentverlustes und einer Zunahme der Sondierungstiefen von mindestens 2mm an den endständigen Zähnen betroffen. Dieses Ergebnis deutet auf eine Tendenz zu schlechterer Parodontalgesundheit in dieser Gruppe hin.

(Dtsch Zahnärztl Z 2012, 67: 360–363)

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Ausgabe: 07/2012 W. Buchalla
Multitalent Speichel: Bekanntes und Neues zu Zusammensetzung und Funktion

Der Speichel spielt für die Aufrechterhaltung der Mund-

gesundheit eine zentrale Rolle, indem er eine Vielzahl von Funktionen erfüllt. Viele dieser Funktionen dienen nicht nur der oralen, sondern auch der allgemeinen Gesundheit.

Der Speichel ist das Produkt der drei paarig angelegten großen Speicheldrüsen, und einer Vielzahl von kleinen Speicheldrüsen, die in der gesamten Mundschleimhaut gefunden werden können. Die verschiedenen Speicheldrüsen produzieren ein in Zusammensetzung und Eigenschaften sehr unterschiedliches Sekret. Die Menge und Zusammensetzung des Speichels hängt von einer Vielzahl an Faktoren ab, unter anderem von mechanischen, olfaktorischen oder gustatorischen Stimuli, der Tageszeit, Stress, Alter oder einer Medikamenteneinnahme. Zu den Aufgaben des Speichels gehört die Ausbildung eines Schutzfilms über die Schleimhäute, um vor Toxinen, Karzinogenen und mechanischen Schäden zu schützen. Der Ausbildung eines Schutz-, und Schmierfilmes über die Zahnoberfläche, dem erworbenen Zahnoberhäutchen, oder Pellikel, kommen zwei entscheidende Aufgaben zu. Zum einen bildet das Pellikel einen Schutz vor Demineralisation der Zahnoberfläche und schützt vor Erosion durch Säuren. Zum anderen reduziert das Pellikel als eine Art Schmierfilm die Reibung bei Zahn-zu-Zahn-Kontakten und beim Kauen und ist damit eine Voraussetzung, dass sich die Zähne unter normalen Bedingungen nur relativ wenig abnützen.

Von den im Speichel enthaltenen Mineralien liegen Kalzium und Phosphat bei neutralem pH-Wert in einer übersättigten Konzentration vor. Über Diffusionsvorgänge durch die dentale Plaque und das Pellikel trägt diese Übersättigung dazu bei, die Entstehung von Karies zu verlangsamen oder zu verhindern.

Unverzichtbar für die zahlreichen Funktionen zur Aufrechterhaltung der Mundgesundheit sind die im Speichel erhaltenen Proteine. Diese sorgen dafür, dass die in Übersättigung vorliegenden Kalziumphosphate weder in den Speicheldrüsen, noch in der Mundhöhle ausfallen. Antibakterielle Eigenschaften der Speichelproteine tragen dazu bei, die im Mund vorhandene Anzahl an Bakterien zu kontrollieren und deren Zusammensetzung zu beeinflussen. Obwohl heute über 2.000 Proteine im Speichel bekannt sind, sind nur wenige bisher genauer untersucht worden. Es kann daher davon ausgegangen werden, dass viele protektiven Funktionen und Wirkmechanismen des Speichels noch nicht bekannt sind.

Schlussfolgerung: Der Speichel begünstigt die Mundgesundheit mit einer Vielzahl an Mechanismen und leistet einen bedeutenden Beitrag zur Aufrechterhaltung der Allgemeingesundheit.

(Dtsch Zahnärztl Z 2012, 67: 438–446)

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Ausgabe: 07/2012 L. Laurisch
Mundtrockenheit – Hintergründe und Therapie eines zunehmenden Problems

Einführung: Mundtrockenheit im Alter stellt ein zunehmendes Problem dar. In der Zahnarztpraxis wird dies oft viel zu wenig beachtet.

Methoden: Untersuchungen zeigen, dass in der Altersklasse von über 60 Jahren fast 40% vom Problem der Mundtrockenheit betroffen sind. Oft korreliert die Mundtrockenheit mit den zunehmenden altersbedingten Veränderungen des Patienten. Nachlassende manuelle Geschicklichkeit bei der Nahrungszubereitung, nachlassendes Sehvermögen oder ein nicht funktionsfähiges Kauorgan können zu einer Veränderung des Ernährungsverhaltens und so zu einer nachlassenden Kauaktivität führen. Eine der häufigsten und am meisten übersehenen ursächlichen Faktoren für Mundtrockenheit stellen die Nebenwirkungen systemischer Medikation dar. Viele Medikamente reduzieren als Nebenwirkung den Speichelfluss und bewirken so pathologische Veränderungen im Mundmilieu. Eine regelmäßige Kontrolle der Medikation des Patienten ist daher angezeigt.

Diskussion: Als klinische Symptome imponieren bei der Mundtrockenheit Gingivaveränderung, trockene Schleimhäute, eingedickter Speichel, wenig sichtbarer Speichel und Rissbildung in den Lippen, und eventuelles Schleimhautbrennen. Oft ist der reduzierte Speichelfluss auch mit Halitosis vergesellschaftet, was oft einen günstigen Ansatzpunkt für ein therapeutisches Konzept darstellt, da kein Patient gerne aus dem Mund riechen möchte. Hierbei sind allerdings die Co-Faktoren für Halitosis – in erster Linie parodontale Erkrankungen – therapeutisch zu berücksichtigen.

Schlussfolgerung: Die Analyse subklinischer Parameter – also die Kontrolle der Speichelfließrate und der Pufferkapazität – gestattet eine differenziertere Diagnostik und Verlaufskontrolle. Die zur Diagnostik und Therapie notwendigen Behandlungsstrategien und die hierzu erforderlichen therapeutischen Hilfen werden erläutert.

(Dtsch Zahnärztl Z 2012, 67: 430–437)

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