Wissenschaft

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ORIGINALARBEITEN
Ausgabe: 08/2013 - J. Esch
Lachgas in der Kinderzahnheilkunde

Einleitung: Der Umgang mit Schmerzen und Ängsten ist in der Zahnmedizin von vorrangiger Bedeutung. Deshalb ist die Lachgassedierung oder auch Inhalationssedierung ein wichtiges Hilfsmittel bei ängstlichen Patienten in fast jedem Lebensalter.

Material und Methode: Die Inhalationssedierung wird dabei mit einer Lokalanästhesie kombiniert. Oft ist auch die Gabe eines lokalen Anästhetikums erst durch die Lachgassedierung möglich. Patienten mit ausgeprägtem Würgereiz können gerade mit der Lachgassedierung leichter behandelt werden. Längere Eingriffszeiten lassen sich sowohl für den Patienten als auch für das zahnärztliche Team komfortabler bewältigen. Kinder sind besonders dankbare Patienten, wobei Lachgas ca. ab dem 4.ten Lebensjahr eingesetzt werden kann.

Ergebnisse und Schlussfolgerung: Lachgas ist eine gut steuerbare und risikoarme Sedierungsmaßnahme, die die Angst reduziert, das Verhalten der Kinder während der Behandlung verbessert und dadurch eine leichtere Durchführung, sowie eine angemessene Qualität der zahnärztlichen Versorgung gewährleistet. Damit stellt die Lachgassedierung eine Alternative zur Intubationsnarkose dar.

(Dtsch Zahnarztl Z 2013, 68: 464–470)

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Ausgabe: 01/2013 W. Geurtsen - A.K. Lührs - S. Jacker-Guhr - A. Stegemann
Beeinflussen temporäre Zemente die Haftkraft von Adhäsivsystemen?

Einführung: Temporäre Zemente und Liner werden z.B. zur Zementierung von provisorischen Versorgungen oder bei der indirekten und direkten Pulpaüberkappung eingesetzt. Bei nachfolgend eingebrachten adhäsiv verankerten Restaurationen könnten Wechselwirkungen zwischen diesen Materialien und angewendeten Adhäsivsystemen estehen. Ziel der Studie war daher die Untersuchung eines möglichen Einflusses von provisorischen Zementen und Linern auf den adhäsiven Verbund nach Anwendung verschiedener Adhäsivsysteme.

Methode: Die Kaufläche von 78 kariesfreien Molaren wurde mit Hilfe einer Niedertourensäge senkrecht zur Zahnachse plan geschliffen und zum Erzeugen einer Schmierschicht angeraut. Es wurden 3 verschiedene Adhäsivsysteme in Kombination mit 2 provisorischen Materialien untersucht: ein 2-Schritt ‚EtchRinse‘-Adhäsiv, ein ‚Self Etch‘ All-in-one-Adhäsiv und ein 4-Schritt ‚Selective Etch‘-System sowie ein kalziumhydroxidhaltiger Liner und ein eugenolhaltiger temporärer Zement. Nach Vorbehandlung der Dentinoberflächen wurden die verschiedenen Adhäsivsysteme angewendet. In den Kontrollgruppen wurde das Adhäsivsystem direkt aufgetragen. Die Zähne wurden mit Komposit aufgebaut und für den Mikrozugversuch in Stäbchen gesägt (Verbundfläche ca. 1mm²). Nach Lagerung in Kochsalzlösung (24h bei 37°C) oder Thermocycling (5.000 Zyklen bei 5°C/55°C, Haltezeit 30s, TC) wurde der Mikrozugversuch durchgeführt (Vorschubgeschwindigkeit 1mm/Min) und statistisch ausgewertet (ANOVA, Scheffé-Test, Signifikanzniveau p0,05). Die Frakturmodi wurden anschließend lichtmikroskopisch untersucht.

Ergebnisse: Die statistische Auswertung zeigte sowohl nach 24h als auch nach TC einen signifikanten Einfluss der Variab-len „Adhäsivsytem“ und „Oberflächenbehandlung“ sowie deren Interaktion. Die signifikant höchste Verbundfestigkeit wurde vor und nach TC für das ‚Self Etch‘-Adhäsivsystem gemessen. Die Oberflächenvorbehandlung mit Temp Bond führte nach 24h zur Abnahme der Haftwerte. Für das ‚EtchRinse‘-Verfahren konnte sowohl nach 24h als auch nach TC kein Einfluss der Oberflächenvorbehandlung nachgewiesen werden. Das ‚Selective Etch‘-Verfahren zeigte insgesamt die niedrigsten Haftwerte und keinen signifikanten Einfluss der Oberflächenbehandlung. Alle ,EtchRinse’-Gruppen frakturierten überwiegend adhäsiv (Grenzfläche Dentin-Adhäsiv). Die ,Self Etch’-Gruppen wiesen eine relativ gleichmäßige Verteilung der Bruchmuster auf adhäsive, kohäsive und kombiniert adhäsiv/kohäsive Brüche vor. Die ,Selective Etch’-Gruppen frakturierten nahezu ausschließlich adhäsiv. Keine der Proben frakturierte komplett an der Grenzfläche Adhäsive-Komposit.

Schlussfolgerung: Provisorische Zemente auf Eugenolbasis können in Abhängigkeit vom angewendeten Adhäsivsystem den adhäsiven Verbund beeinflussen. Klinisch lassen Liner auf Kalziumhydroxidbasis bei anschließender adhäsiver Versorgung weniger Wechselwirkungen erwarten.

(Dtsch Zahnärztl Z 2013, 68: 19–29)

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Ausgabe: 01/2013 Th. Schneller - U. Walter - R.J. Hussein
Ausübung und Ausbau der Prophylaxe in deutschen Zahnarztpraxen: ein Vergleich der Ergebnisse von 2000 und 2009

Einführung: Der Beitrag gibt einen Überblick über die in zahnärztlichen Praxen durchgeführten Maßnahmen zur Erwachsenenprophylaxe sowie über die Motive der Zahnärzte für einen weiteren Prophylaxeausbau.

Material und Methoden: Es wird untersucht, in wie weit sich die Situation in einem Jahrzehnt verändert hat. Grundlage bildet die in 2009 erfolgte schriftliche Erhebung bei 2.075 Bremer und niedersächsischen Zahnärzten. Die Raten zur Prophylaxedurchführung in 2009 werden mit einer Studie des Instituts der Deutschen Zahnärzte aus dem Jahr 2000 verglichen, an der 577 von 1.181 befragten Zahnärzten (52,6%) teilnahmen.

Ergebnisse: Der Rücklauf 2009 betrug 33% (n=685). Die Zahnärzte führten prophylaktische Maßnahmen deutlich häufiger durch als im Jahr 2000. Dazu zählen professionelle Fluoridanwendung (97% vs. 81%), professionelle Zahnreinigung (92% vs. 63%) und Aufklärung der Patienten über Krankheitsursachen (93% vs. 87%). Maßnahmen zur Risikobewertung oraler Erkrankungen (45% vs. 26%) und Ernährungsberatung (66% vs. 74%) sind hingegen in den Zahnarztpraxen nicht sehr verbreitet. Statistisch signifikante Unterschiede hinsichtlich der Fluoridanwendung (professionelle und häusliche Maßnahmen p 0,001), der professionellen Zahnreinigung (p 0,001) und der Demonstration korrekter Zahnputztechnik (p 0,001) wurden festgestellt. Zu beiden Zeitpunkten stellt die zunehmende Patientennachfrage den wichtigsten Grund für die Erweiterung der Prophylaxe dar (92% vs. 71%). Verändert haben sich besonders die Motive der beruflichen Zufriedenheit (82% vs. 48%) und der zusätzlichen Einnahmen durch Prophylaxe (84% vs. 44%).

Schlussfolgerung: Insgesamt scheint bei den Zahnärzten der Stellenwert präventiven Vorgehens zugenommen zu haben. Positivere Einstellungen und Motivation zur Prophylaxe sowie strukturelle Umsetzungen in der Praxis zeugen davon.

Als Vorteile verstärkter Prophylaxedurchführung sehen die Zahnärzte einen Imagegewinn für die Praxis, höhere Berufszufriedenheit durch ursachenbezogene Therapie sowie finanzielle Gewinne.

(Dtsch Zahnärztl Z 2013, 68: 30–37)

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Ausgabe: 01/2013 R. Haak - E. Brähler - H. Geupel - H. Glaesmer
Zahnbehandlungsangst bei Zahnextraktion – Häufigkeit und Ursachen*

Einführung: Zahnbehandlungsangst ist ein häufiges Phänomen in der zahnärztlichen Praxis. Sie betrifft einen großen Anteil der Patienten, stellt eine Barriere für die optimale Behandlung dar und erfordert eine spezielle Wahrnehmung und Betreuung der betroffenen Patienten. Ziel der vorliegenden Studie war es, an einer Konsekutivstichprobe die Häufigkeit von Zahnbehandlungsangst im Rahmen von Zahnextraktionen in einer zahnärztlichen Praxis zu untersuchen. Neben den Gründen bzw. Ursachen dieser Ängste wurden auch die spezifischen Inhalte und das Ausmaß der Zahnbehandlungsangst ermittelt.

Methode: Zwischen Mai und November 2010 wurden konsekutiv alle Patienten (N=102) der Studienpraxis, bei denen eine Zahnextraktion mit Extraktionszange und Hebel durchgeführt wurde, in die Studie eingeschlossen. Alle Studienpatienten füllten vor der Behandlung einen strukturierten Fragebogen zur Zahnbehandlungsangst und zu soziodemographischen Angaben aus. Zusätzlich wurden zwei psychometrische Instrumente zur Erfassung von Angst (GAD-7; STAI) eingesetzt. Das Ausmaß der Behandlungsangst wurde mittels einer Visuellen Analogskala (VAS) erfasst.

Ergebnisse: Die mittlere Zahnbehandlungsangst betrug 5,2 (VAS von 1 bis 10). Im dritten Quartil befanden sich 18,7% der Patienten im vierten und höchsten Quartil 24,5% der Patienten. Schmerzhafte Vorbehandlungen wurden als weitaus häufigster Grund der Zahnbehandlungsangst von 50,6% der Befragten genannt. Die aktuellen Behandlungsängste haben ebenfalls am häufigsten entstehende Schmerzen zum Inhalt (56,9% der Befragten). Jüngere Patienten und Frauen berichten häufiger über Behandlungsangst. Die Behandlungsängste gehen unter anderem mit Schlafproblemen vor der Behandlung (18,6%) oder Herzklopfen und Schwitzen (45,1%) einher. Die Korrelationen der Zahnbehandlungsangst mit der allgemeinen Zustandangst und der generalisierten Angst sind mit 0.20 bzw. 0.27 eher gering.

Schlussfolgerungen: Zahnbehandlungsangst ist trotz der Fortschritte, insbesondere in der Schmerzkontrolle während und nach der Behandlung, in der zahnmedizinischen Versorgung ein häufiges Problem, welches oft mit schmerzhaften Vorbehandlungen und Angst vor Schmerzen während oder nach der aktuellen Behandlung assoziiert ist. Der Schmerzkontrolle kommt damit eine zentrale Rolle in der Vermeidung von Zahnbehandlungsangst zu. Aufgrund der großen Zahl betroffener Patienten sollte die Zahnbehandlungsangst noch mehr Beachtung in der Behandlung und deren Vorbereitung finden. Zahnärzte sollten in der Aus- und Weiterbildung noch stärker für die Thematik sensibilisiert werden, um den besonderen Versorgungsbedürfnissen begegnen zu können.

(Dtsch Zahnärztl Z 2013, 68: 38–43)

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Ausgabe: 03/2013 R. Frankenberger - R. Stoll - A. Jablonski-Momeni - S. Parchami
Einfluss bestimmter Parameter auf das Überleben endodontischer Maßnahmen (eine retrospektive Studie)

Einführung: Im Rahmen der vorliegenden retrospektiven Studie sollte der Einfluss verschiedener Parameter auf das Überleben von bleibenden Zähnen nach erfolgter Wurzelkanalfüllung untersucht werden.

Methode: Das Untersuchungsgut bildeten die Akten und Röntgenbilder aller Patienten, die im Zentrum für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde der Philipps-Universität Marburg behandelt wurden und im Zeitraum 1998–2001 eine Wurzelkanalbehandlung an einem oder an mehreren Zähnen erhielten. Prädiktoren für Erfolg wie Homogenität, Länge und Zustand des periapikalen Gewebes wurden den Akten entnommen oder anhand der vorhandenen Röntgenbilder bewertet. Die kumulativen Überlebensfunktionen wurden als Kaplan-Meier-Kurven dargestellt und Gruppenvergleiche mit Hilfe des Log-Rank-Tests durchgeführt. Das Signifikanzniveau wurde auf ?=0,05 festgelegt. Als Erfolg wurden die Wurzelkanalfüllungen gewertet, die sich zum Zeitpunkt der zuletzt vorhandenen Befunderhebung noch in ihrer ursprünglichen Form in situ befanden. Als Misserfolg wurden Extraktion oder jegliche Intervention an der jeweiligen Wurzelkanalfüllung gewertet.

Ergebnisse: Als Grundgesamtheit lagen der Studie 1.260 Wurzelkanalfüllungen zu Grunde. Molaren im Unterkiefer und Prämolaren im Oberkiefer stellten die Mehrheit der erfolgten Behandlungen dar. Für alle beurteilten Zähne mit endodontischen Maßnahmen ergab sich eine mittlere Überlebenszeit von 116 Monaten bei einer Beobachtungszeit von 138 Monaten. Es wurden insgesamt 108 Verluste verzeichnet. Zum Zeitpunkt des letzten Verlustes betrug die kumulative Überlebenswahrscheinlichkeit p=0,76. Es wurde eine signifikant höhere Überlebensdauer für Zähne mit röntgenologisch entzündungsfreiem periradikulären Gewebe als für Zähne, die eine periapikale Läsion aufwiesen, beobachtet. Für den Faktor „Kondensation“ ergab der Log-Rank-Test einen höchstsignifikanten Unterschied zwischen den optimal und suboptimal kondensierten Wurzelkanalfüllungen. Für den Faktor „Länge“ wurden ebenso die besseren Ergebnisse für die korrekten Längen festgestellt. Beim Faktor „Behandler“ wurden keine signifikanten Unterschiede zwischen den untersuchten Gruppen gefunden.

Schlussfolgerung: Die Entzündungsfreiheit des periradikulären Gewebes und eine optimale Kondensation der Wurzelkanalfüllung haben einen signifikant positiven Einfluss auf die Überlebensdauer endodontisch versorgter Zähne. Wurzelkanalfüllungen mit einer korrekten Länge weisen höhere Überlebensraten auf, während der Faktor „Behandler“ den Erfolg nicht signifikant beeinflusst.

(Dtsch Zahnärztl Z 2013, 68: 161–169)

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Ausgabe: 03/2013 M.T. John - G. Heydecke - D.R. Reißmann - G. Aarabi - I. Sierwald
Die Häufigkeit von Mundgesundheitsproblemen bei prothetischen Patienten

Einführung: Die Erfassung von patientenorientierten Zielgrößen gewinnt in der Zahnmedizin zunehmend an Bedeutung. Die Interpretation der Ergebnisse entsprechender Messinstrumente ist auf Grund der angewandten Metrik allerdings erschwert. Es war das Ziel dieser Studie, die Beeinträchtigung der mundgesundheitsbezogenen Lebensqualität bei prothetischen Patienten als Häufigkeit von Prob-lemen pro Monat mittels des Oral Health Impact Profile (OHIP) mit einem numerischen Antwortformat zu bestimmen und den Einfluss von Alter und Geschlecht auf die Häufigkeit der Probleme zu untersuchen.

Methode: In einer Stichprobe von 145 konsekutiv rekrutierten Patienten der Poliklinik für Zahnärztliche Prothetik des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (Altersdurchschnitt ± SD: 58,5±14,9 Jahre; 54% Frauen) wurde zunächst das OHIP mit der gebräuchlichen ordinalen Antwortskala („sehr oft“, „oft“, „ab und zu“, „kaum“ und „nie“) von den Patienten selbstständig ausgefüllt. Direkt im Anschluss wurden die numerischen Häufigkeiten im persönlichen Interview erfasst. Geschlechts- und altersspezifische Unterschiede wurden für alle Patienten und in den Strata entsprechend Prothesenstatus mittels t-Test für unabhängige Stichproben auf statistische Signifikanz getestet sowie auf Dimensionsebene in allen Subgruppen mittels multivariater linearer Regressionsanalysen berechnet.

Ergebnisse: Prothetische Patienten wiesen bei einer durchschnittlichen Häufigkeit von 532 Problemen pro Monat eine wesentliche Einschränkung der Lebensqualität auf. Statistisch gesehen nahmen diese Patienten etwa jede Stunde eine Beeinträchtigung ihrer Lebensqualität wahr. Während individuell große Unterschiede in der Anzahl der Probleme zu beobachten waren, wurden im Gruppenvergleich der Patienten keine generellen Effekte von Alter oder Geschlecht auf die Problemhäufigkeit festgestellt.

Schlussfolgerung: Diese Untersuchung liefert eine konkrete Antwort auf die Häufigkeit der Mundgesundheitsprobleme und ermöglicht damit eine einfache Beurteilung der Befragungsergebnisse. Dieser Ansatz kann helfen, die Erfassung der mundgesundheitsbezogenen Lebensqualität stärker in die zahnmedizinische Praxis zu integrieren.

(Dtsch Zahnärztl Z 2013; 68: 151–160)

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Ausgabe: 05/2013 G. Heydecke - D.R. Reißmann - D. Farhan - G. Aarabi - C. Kofahl
Die Mundgesundheit von Menschen mit Migrationshintergrund in Deutschland – eine kritische Betrachtung

Einleitung: Menschen mit Migrationshintergrund sind eine sehr heterogene Gruppe, die sich hinsichtlich ihres ethnischen und kulturellen Hintergrundes und ihres Gesundheitsverhaltens von Menschen ohne Migrationshintergrund unterscheiden. Diese Unterschiede können sich auf Art und Umfang der Inanspruchnahme zahnmedizinischer Leistungen, das Mundhygieneverhalten, die Ernährung und letztlich auf die Mundgesundheit auswirken. Ziel dieser Arbeit ist es, anhand vorhandener Studienergebnisse zu prüfen, wie die Mundgesundheit von Migranten in Deutschland beschaffen ist und welche Faktoren die Mundgesundheit bei Migranten beeinflussen.

Methode: Es wurde eine systematische Literaturrecherche in der Datenbank PubMed unter Verwendung von Freitext- und MeSH-Begriffen eingeschränkt auf Deutschland durchgeführt. Insgesamt wurden 19 Publikationen eingeschlossen. Die meisten Studienergebnisse aus dem Bereich der Mundgesundheit beschränken sich auf die Kinderzahnheilkunde.

Ergebnisse: Es besteht eine relevante Beeinträchtigung der Mundgesundheit bei Menschen mit Migrationshintergrund. Diese Menschen profitieren nicht in gleicher Weise von den Präventions- und Versorgungsangeboten und der Mundgesundheitsaufklärung wie gebürtige Deutsche. Es existieren vielfältige Zugangsbarrieren wie Sprache und Akkulturation. Insgesamt ist die Datenlage jedoch unbefriedigend. Insbesondere fehlen Untersuchungen in älteren Populationen, zu kulturspezifischen Faktoren und zu konkreten Interventionsansätzen.

Schlussfolgerung: Zur nachhaltigen Verbesserung der Mundgesundheit erscheint der Abbau von Zugangsbarrieren zum Versorgungssystem und der Ausbau spezifischer Prophylaxe- und Interventionsprogramme für Kinder und Eltern mit Migrationshintergrund notwendig.

(Dtsch Zahnärztl Z 2013; 68: 280–287)

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Ausgabe: 05/2013 H.P. Jöhren - E. Pantas
Zahnbehandlungsangst – eine prospektive Studie zur anxiolytischen Wirkung von Musik während der Zahnbehandlung

Einleitung: In der vorliegenden prospektiven klinischen Untersuchung wurde die anxiolytische Wirkung von Musik im Verlauf einer zahnärztlichen Behandlung analysiert, um zu überprüfen, ob die Wirkung in Abhängigkeit von der spezifischen Behandlungsphase variiert.

Material und Methoden: 90 mittelängstliche Patienten (63 weiblich, 27 männlich) wurden unter 2 Studienbedingungen (mit Musik vs. ohne Musik) zu je 6 Messzeitpunkten während einer zahnärztlichen Behandlung untersucht. Angst- und Schmerzempfindung wurden vor der Behandlung im Wartezimmer und im Behandlungszimmer, während der Anästhesie, während des zahnärztlichen Eingriffes, unmittelbar nach der Behandlung und einen Tag nach der Behandlung mittels der Fragebögen HAF (hierarchischer Angstfragebogen nach Jöhren), VAS (visuelle Analogskala) Angst, STAI-S (State-Trait-Angstinventar [State-Teil], Zustandsangst) und VAS (visuelle Analogskala) Schmerz erfasst; die Pulsrate wurde jeweils mittels Fingerpulsoximeters gemessen.

Ergebnisse: Die anxiolytische, schmerz- sowie pulsreduzierende Wirkung von Musik während der Zahnbehandlung wurde insgesamt bestätigt (alle Unterschiedstests lieferten p-Werte von 0,0003 oder kleiner). Neben Unterschieden in der Wirkung von Musik je nach Behandlungsphase konnte insbesondere folgender Zusammenhang ermittelt werden: Während der Patient vor der Behandlung im Behandlungsstuhl Platz genommen hat, zeigte sich der größte Effekt von Musik auf Schmerzempfinden (Reduktion 28%, p0,0001, Wilcoxon-Test), Angstempfinden (17,3%, p0,0001; t-Test), Parameter HAF (11,5%, p0,0001; t-Test), Parameter STAI-S (8,8%, p0,0001; t-Test) sowie die Pulsrate (6,2%, p0,0001; t-Test), also auf alle gemessenen Parameter. Im Behandlungsverlauf bewirkte die Musikintervention eine relativ konstante Reduktion des Angstempfindens (um 11,7% bis 17,3%), im Gegensatz zu den stark schwankenden Parametern Schmerzempfindung (zwischen 4% und 28%) und Pulsrate (zwischen –0,9% und 6,2%).

Schlussfolgerung: Musikintervention in der Zahnarztpraxis zeigt zu allen Behandlungsphasen und besonders vor der Behandlung, während der Patient im Behandlungsstuhl Platz genommen hat, zuverlässige anxiolytische Effekte und kann durch ihre einfache und ökonomische Einsetzbarkeit den Praxisaufenthalt für den Patienten angst- und schmerzfreier gestalten.

(Dtsch Zahnärztl Z 2013, 68: 288–295)

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Ausgabe: 06/2013 C. Morsczeck - M. Gosau
Stammzellen in der
oralen Regeneration

Stammzellen wurden bereits aus embryonalen und somatischen Geweben isoliert. Viele populärwissenschaftliche Veröffentlichungen haben große Erwartungen geweckt, dass bereits in näherer Zukunft regenerative Therapien möglich sind. Sie lassen aber den Leser über den wirklichen Stand der Forschung häufig im Unklaren. Um den aktuellen Stand der Forschung zusammenzufassen, konzentriert sich dieser Artikel auf wenige, wichtige Aspekte der Stammzellforschung für die orale Regeneration. Zunächst werden die verschiedenen Stammzelltypen allgemein vorgestellt, bevor anschließend auf mögliche Strategien für einen stammzellbasierten biologischen Zahnersatz und auf die Frage eingegangen wird, was man in Zukunft von dentalen Stammzellen in der Zahnmedizin erwarten kann.

(Dtsch Zahnärztl Z 2013; 68: 348–352)

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Ausgabe: 06/2013 M. Naumann - G. Sterzenbach - A. Franke
Randomisierte kontrollierte Studie
zum Einfluss des Stiftmaterials auf die Überlebensraten postendodontischer Rekonstruktionen

Einführung: Im Rahmen dieser klinischen Untersuchung wurde das biomimetische Konzept der post-endodontischen Rekonstruktion stark zerstörter Pfeilerzähne mit eher dentinähnlich flexiblen (geringes Elastizitätsmodul) Aufbaustiften untersucht. Verglichen wurden die Überlebensraten der mit glasfaserverstärkten Epoxydharzstiften (GFREP) oder eher rigiden (höheres Elastizitätsmodul), konfektionierten Titanstiften (TP) versorgten Pfeilerzähne.

Material und Methode: 91 Patienten mit dem Bedarf einer postendodontischen Restauration eines Zahnes mit 2 oder weniger verbliebenen Kavitätenwänden wurden randomisiert auf die 2 Studienarme verteilt: konischer GFREP (n=45) oder konischer TP (n=46). Die Aufbaustifte mit identischem Makrodesign wurden adhäsiv mit einem selbsthaftenden Befestigungskomposit befestigt. Nach direktem adhäsiven Kompositstumpfaufbau wurde mit der Pfeilerpräparation zur Aufnahme einer Kronenrestauration eine 2mm hohe Dentinmanschette sichergestellt. Als primärer Endpunkt wurde das grundunabhängige Versagen der Restauration festgelegt. Die Studiengruppen wurden für die Überlebensraten der Pfeilerzähne mit dem Log Rank-Test verglichen (p0,05).

Ergebnisse: Insgesamt wurde die Stiftsetzung bei 27 Frontzähnen, 17 Eckzähnen, 37 Prämolaren und 10 Molaren durchgeführt. Die prozentuale Verteilung der Zahntypen auf beide Interventionsgruppen war vergleichbar. Davon wurden 57% der Zähne mit einer Einzelkrone versorgt, 25% waren Pfeilerzähne für eine Brückenkonstruktion und 13% wurden als Pfeilerzahn in Kombination mit einem herausnehmbaren Zahnersatz restauriert. Vier Pfeilerzähne erhielten keine definitive Versorgung. Demnach konnten nach 84 Monaten Beobachtungszeit (Mittelwert: 71,2) die Daten für 87 Patienten analysiert werden. Bei 87% der Patienten lag eine natürliche oder festsitzende Gegenbezahnung vor. Insgesamt versagten 7 Restaurationen (GFREP = 4; TP=3) mit den folgenden Versagensursachen: GFREP: Wurzelfraktur n=2, Aufbaufraktur n=1, erhöhte Zahnlockerung n=1; TP: endodontisches Versagen n=3. Die Überlebensraten zeigten keinen signifikanten Unterschied zwischen den Studiengruppen (GFREP = 90,2%; TP = 93,5%; p= 0,642). Die Wahrscheinlichkeit nicht zu Versagen war für beide Stiftmaterialien vergleichbar (relatives Risiko; Konfidenzintervall 95%=0,965; 0,851/1.095).

Schlussfolgerung: Nach adhäsiver Befestigung von konfektionierten Aufbaustiften und einem ferrule von 2mm sind die längerfristigen Überlebensraten von postendodontisch rekonstruierten, stark zerstörten Pfeilerzähnen mit maximal 2 verbliebenen Kavitätenwänden hoch und unabhängig vom Material des Aufbaustiftes – glasfaserverstärktes Komposit vs. Titan.

(Dtsch Zahnärztl Z 2013, 68: 337–346)

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