Wissenschaft

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ÜBERSICHTEN
Ausgabe: 03/2014 - E. Schneider1, S. Jepsen1, H. Dommisch1,2
Revaskularisation avitaler Zähne

Die Therapie avitaler Zähne mit nicht-abgeschlossenem Wurzelwachstum stellt eine besondere Herausforderung für den Zahnarzt dar. Bislang etablierte Therapieverfahren erlauben eine Apexifikation nach Applikation von Kalziumhydroxid in den Wurzelkanal über einen definierten Zeitraum. Alternativ kann der Verschluss der apikalen Region primär mit MTA erfolgen. Von einer Zunahme der Dentinwandstärke im Bereich der Wurzel kann bei diesen Methoden nicht ausgegangen werden. Die Revaskularisation ist ein neueres Therapieverfahren mit dem Ziel, Stammzellen aus der apikalen Papille der ungereiften Zahnwurzel durch gezielte Wurzelkanaldesinfektion und anschließende provozierte Einblutung in das Wurzelkanallumen zu rekrutieren. Diese Stammzellen können dazu beitragen, dass einerseits die Dentinwandstärke zunimmt und andererseits das Wachstum der Wurzelspitze zum Abschluss kommt. Dieser Übersichtsartikel soll den Hintergrund des neuen Therapieverfahrens, dessen klinischen Ablauf sowie das mögliche Therapieergebnis darstellen und diskutieren.

(Dtsch Zahnärztl Z 2014, 69: 144–151)

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Ausgabe: 03/2014 - M. Hannig1, C. Hannig2
Möglichkeiten und Grenzen der Schmelzregeneration - eine aktuelle Übersicht

Einführung: In diesem Übersichtsbeitrag wird das Potenzial azellulärer Verfahren zur biomimetischen Synthese von schmelzartigen Strukturen einer aktuellen Bestandsaufnahme und kritischen Wertung unterzogen.

Ergebnisse: In den letzten Jahren sind verschiedene biomimetische Strategien zur Kristallisation und Aggregation von Apatiten beschrieben worden mit der Zielsetzung, die nano- und mikro-skalierte, hierarchisch organisierte Topographie des natürlichen Schmelzes nachzubilden. Neben der dreidimensional orientierten Selbstaggregation von Apatitkristalliten wird vor allem die Strukturbildung von Apatitnanopartikeln über präformierte oder selbst organisierte organische Gerüste (Scaffolds, Templates) angestrebt. Besondere Relevanz haben biomimetische Strategien, mit denen sich unter physiologischen Bedingungen aus Mineralisationslösungen unter Zusatz des Schmelzmatrixproteins Amelogenin oder unter Verwendung alternativer Additive (Dendrimere, synthetische Peptide, Gelatine, EDTA) geordnete Apatitschichten auf der geätzten Schmelzoberfläche generieren lassen. Daneben besitzen Pasten aus präformierten Apatitnanopartikeln und Phosphorsäure ein vielversprechendes Potenzial zur azellulären Schmelzregeneration. Mit den meisten dieser Syntheseverfahren können innerhalb von mehreren Tagen Apatitschichten gebildet werden, deren Dicke mehrere Mikrometer beträgt und die im Hinblick auf ihr ultrastrukturelles Erscheinungsbild (d.h. das Kristallitgefüge) sowie ihre chemische Zusammensetzung dem natürlichen Zahnschmelz durchaus ähneln. Die reproduzierbare Nachbildung der Schmelzarchitektur auf der mikrostrukturellen Ebene (d.h. die dreidimensional organisierte Konfiguration der Kristallite in Form von Prismenstäben) stellt allerdings nach wie vor eine nur ansatzweise beherrschte Herausforderung im Rahmen der bioinspirierten Synthese schmelzartiger Strukturen dar. Das Gros der biomimetischen Strategien zur azellulären Synthese schmelzartiger Strukturen wurde bis dato lediglich in vitro erprobt und muss daher im Hinblick auf die Anwendbarkeit unter Mundhöhlenbedingungen erst noch durch In-situ- und In-vivo-Studien validiert werden.

Schlussfolgerung: Insgesamt betrachtet lässt sich basierend auf dem aktuellen wissenschaftlichen Kenntnisstand feststellen, dass derzeit noch kein azelluläres, nanotechnologisches Verfahren zur Verfügung steht, mit dem sich eine biomimetische Schmelzregeneration in klinisch-makroskopisch sichtbaren Schmelzdefekten realisieren ließe.

(Dtsch Zahnärztl Z 2014; 69: 131–142)

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ORIGINALARBEITEN
Ausgabe: 07/2014 - D. Suwelack, U. Haverkamp, H. Th. Eich, D. Dirksen, L. Figgener, A. Wolowski, Ch. Runte
Rückstreueffekte prothetischer Biomaterialien bei der Bestrahlung im Kopf-/ Halsbereich

Einführung: Die radiotherapeutische Behandlung stellt einen der tragenden Pfeiler der onkologischen Therapie von Patienten mit Tumoren im Kopf-/Halsbereich dar. Die Folgen reichen von einer radiogenen Mucositis über die Radioxerostomie bis hin zur infizierten Osteoradionekrose. Oftmals gelten Patienten als geheilt, müssen aber mit zahlreichen Nebenwirkungen den Alltag bewältigen. Die Strahlendosiserhöhung durch Rückstreueffekte prothetischer Biomaterialien fördert ein Aufkommen der Nebenwirkungen in unverhältnismäßiger Art und Weise. Es stellte sich die Frage sowohl nach dem notwendigen Abstand zwischen Weichgewebe und inkorporierten zahnmedizinischen Biomaterialien als auch nach möglichen Alternativen mit geringen Rückstreueffekten.

Material und Methoden: In dieser Studie wurde die Dosiserhöhung durch Rückstreuung an Testkörpern aus einem dichteren Material im Vergleich zu einem Kunststoffkörper ermittelt. Dafür wurde ein Linearbeschleuniger mit einer (max.) Photonenenergie von 6MeV genutzt. Als Messsonde diente eine zylindrische PTW-PinPoint-Ionisationskammer, welche vor drei gleich große Proben an einem feinjustierbaren Gewinde befestigt wurde. Um dem menschlichen Körper ähnelnde Verhältnisse zu schaffen, wurde ein Wasserphantom aus einem Plexiglasgefäß hergestellt und mit entmineralisiertem Wasser, welches gewebeähnliche Schwächung und Absorption für ionisierende Strahlung aufweist, gefüllt. Als Messproben dienten eine hochgoldhaltige Legierung mit einer Dichte von 16,7g/cm³, Zirkoniumdioxid mit einer Dichte von 6,03g/cm³ und als Referenz Polymethylmethacrylat (PMMA) mit einer Dichte von ca. 1,19g/cm³.

Ergebnisse: Es wurde ein deutlich höherer Rückstreueffekt der Goldlegierung gegenüber dem Zirkoniumdioxid gemessen. Ab einem Abstand von 0,8cm zur Messprobe sind die gemessenen Dosiskurven wieder deckungsgleich. Nach Anpassung einer Exponentialfunktion für die Goldlegierung und das Zirkoniumdioxid ergaben sich Dosiserhöhungen von 1,25 (willkürliche Einheiten [w.E.]) für die Goldlegierung und 1,06 (w.E.) für Zirkoniumdioxid.

Schlussfolgerung: Neben der Notwendigkeit von Retraktorschienen sollte Zirkoniumdioxid aufgrund der deutlich geringeren Rückstreueffekte bei der Behandlung von Patienten vor anderen Materialien vorgezogen werden. Weitere Versuche sind erforderlich, um den Beitrag von Sekundärelektronen, die mit der verwendeten Messvorrichtung nicht erfasst werden konnten, zur Dosiserhöhung abzuschätzen.

(Dtsch Zahnärztl Z 2014; 69: 406–414)

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Ausgabe: 07/2014 - J. Abrusch, J. Marienhagen, S. Gerhardt-Szép
Qualitätsmanagementsysteme mit eLearning- Bezug: Bekanntheitsgrad an zahnmedizinischen Fakultäten

Einleitung: Elektronisches Lernen (eLearning) wird an den Hochschulen als Lern-Lehr-Szenario immer häufiger eingesetzt und gewinnt in Zukunft an Bedeutung. Dadurch rückt vermehrt seine Qualität in den Fokus. Der Wissenschaftsrat (WR) empfiehlt den Aufbau verlässlicher, transparenter Bewertungsinstrumente für die Qualität der Lern-Lehr-Leistung.

Material und Methode: Um der oben genannten Empfehlung des WR nachkommen zu können, soll die vorliegende Studie verschiedene Qualitätsmanagementsysteme (QMS) aus dem Bereich des Bildungssektors aufzeigen, sie analysieren und miteinander vergleichen, um Hilfestellung für die Auswahl zu geben. Dadurch kann die Qualität und der Erfolg der Lehre im eLearning-Bereich an den Hochschulen auch für Außenstehende erkennbar werden und es wird ein Beitrag zu ihrer kontinuierlichen Verbesserung geleistet (Teil 1). Außerdem soll in Teil 2 dieser Untersuchung mithilfe von Fragebögen, die sich an alle 30 Universitätskliniken der Fachbereiche Zahnmedizin (Studiengruppe) und an n=6 außeruniversitäre Einrichtungen beziehungsweise andere Fachbereiche (Kontrollgruppe) in Deutschland richten, der aktuelle Stand zum Bekanntheitsgrad von QMS in Bezug auf eLearning evaluiert werden.

Ergebnisse: Im Teil 1 der Untersuchung konnten n=23 Ansätze zur Qualitätssicherung für den Bildungssektor in Deutschland identifiziert werden. In 60,8% handelte es sich um Angebote mit direktem eLearning-Bezug. In Teil 2 der Untersuchung konnte bei einer Rücklaufquote der Fragebögen von 38,8% festgestellt werden, dass zwar 63,3% der beteiligten Hochschulen mit zahnmedizinischem Fachbereich ein QMS allgemeiner Art integriert haben, jedoch lediglich eine einzige Institution ein QMS speziell für eLearning vorwies. Die Gründe hierfür wurden zu 54,5% damit angegeben, dass zu wenige Informationen über QMS für eLearning vorhanden seien. In 18,1% gaben die Adressaten „zu hohe Kosten“ beziehungsweise in 9% „kein Bedarf/kein Interesse“ und „eLearning wird nicht/kaum in der Lehre angewendet“ an.

Schlussfolgerung: Es ist festzuhalten, dass der Bekanntheitsgrad von QMS für eLearning an den Hochschulen mit zahnmedizinischen Fachbereichen aktuell sehr spärlich ist. Den Ergebnissen des ersten Teils der Untersuchung zufolge existieren jedoch diverse etablierte QMS für den Bereich eLearning, die den zahnmedizinischen Fakultäten bei der Auswahl einer entsprechenden Lösung möglicherweise hilfreich sein können.

(Dtsch Zahnärztl Z 2014; 69: 392–405)

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Ausgabe: 08/2014 - P. Kauffmann, K. Specht, M. Tröltzsch, R. Cordesmeyer, R. Laskawi
Dystonien mit Beteiligung der mastikatorischen Muskulatur: Retrospektive Analyse eines Patientenkollektivs und Therapiemodalitäten mit Botulinumtoxin-A

Einleitung: Anhand der Daten unserer Patienten analysierten wir unser Kollektiv im Hinblick auf demographische und klinische Charakteristika sowie die von uns angewendeten Therapiemodalitäten mittels Botulinumtoxin-A(BTX-A)-Injektionen. Ein anschließender Vergleich der Parameter mit den Angaben aus der aktuellen Literatur verdeutlichte Übereinstimmungen und individuelle Unterschiede. Anhand eines nummerischen Effect-Scores wurde mittels subjektiv empfundener Wirkung der Therapieerfolg ermittelt.

Material und Methoden: In die Analyse eingeschlossen wurden 24 Patienten, die das klinische Bild eines Meige-Syndroms oder einer oromandibulären Dystonie (OMD) zeigten. Folgende spezifische Parameter wurden ermittelt: Alter, Geschlecht, Geburtsdatum und Besonderheiten innerhalb des Krankheitsbildes. Alle Patienten wurden der klinischen Symptomatik entsprechend in der Botulinumtoxin-Sprechstunde der Abteilung Hals-Nasen-Ohrenheilkunde mittels wiederholter BTX-A-Injektionen behandelt.

Ergebnisse: Der Vergleich unseres Kollektivs mit denen anderer Arbeiten und Studien in der Literatur zeigte in vielen Punkten große Übereinstimmungen im Hinblick auf die ätiologischen und klinischen Charakteristika. Wir verzeichneten ein hohes Durchschnittsalter (65 Jahre =J) sowie ein hohes durchschnittliches Manifestationsalter (52 J). 20 unserer Patienten litten nach ätiologischen Gesichtspunkten unter einer Dystonie idiopathischer Genese (primäre Dystonie). Insge-samt konzentrierte sich eine dystone Symptomatik überwiegend in benachbarten Körperregionen (segmentale Dystonie, 58%), zeigte jedoch auch eine multisegmentale Ausweitung (25%) sowie eine begrenzte, lokalisierte Form (fokale Dystonie, 16%). Neben dem definierten klinischen Bild beider Krankheitsbilder zeigte sich im Rahmen der segmentalen Dystonien am häufigsten eine zusätzliche dystone Aktivität im Bereich der zervikalen Muskulatur, sowie der Muskulatur von Larynx und Pharynx. Auffällig war eine deutliche 4:1 Prädisposition für das weibliche Geschlecht (80% Frauen, 20% Männer). Ein Vergleich der durchschnittlich applizierten Toxinmenge mit den Angaben aus der Literatur ist aufgrund starker Schwankungen kritisch zu werten. Die Nebenwirkungsrate war mit 8% sehr gering, die Dauer der BTX-A-Wirkung betrug im Mittel 9 Wochen. Wir verzeichneten mithilfe eines nummerischen Effect-Scores bei 80% unserer Patienten im Verlauf der Injektionstherapie eine deutliche, subjektiv empfundene Symptomlinderung infolge der individuell angepassten und wiederholten Injektionen.

Schlussfolgerungen: Die geringe Nebenwirkungsrate, die erzielte Dauer der Wirkung sowie der von den Patienten geschilderte, subjektive Therapieerfolg zeigten, dass mit den von uns gewählten Injektionsmodalitäten und Dosierungen eine wirkungsvolle und nebenwirkungsarme BTX-A-Injektionstherapie möglich ist.

(Dtsch Zahnärztl Z 2014; 69: 446–455)

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Ausgabe: 09/2014 - R. Schweyen, J. Hey, C. Arnold, J. M. Setz, A. F. Boeckler
Passung und Stabilität schicht- und presskeramisch verblendeter Kronen: Ergebnisse einer In-vitro-Studie

Einleitung: Für die Verblendung von Kronen- und Brücken mit Keramikschulter können sowohl schicht- als auch presstechnische Verfahren eingesetzt werden. In der vorliegenden In-vitro-Studie wurde der mögliche Einfluss des Herstellungsverfahrens auf die marginale Passgenauigkeit und Bruchfestigkeit von Kronen mit CAD/CAM-gefertigten Cobalt-Chrom (CoCr)- und Zirkoniumdioxid (ZrO2)-Gerüsten untersucht.

Material und Methode: Mittels CAD/CAM-Technologie wurden auf 80 konfektionierten Metallstümpfen 40 CoCr- und 40 ZrO2-Gerüste hergestellt. Dreißig Gerüste jeder Art wurden mit Presskeramiken dreier verschiedener Hersteller verblendet, 10 Gerüste dienten als Kontrollgruppe und wurden schichtkeramisch verblendet. Die Höhe der Keramikschulter betrug unabhängig vom Verfahren immer 1mm. Für jede Krone wurde zur Quantifizierung der marginalen Passgenauigkeit lichtmikroskopisch die Größe des vertikalen Randspaltes vermessen. Danach wurde die Hälfte aller Kronen (n=40) einer Verblendkeramik und Gerüstart durch mechanische und thermische Belastungswechsel künstlich gealtert. Abschließend erfolgte für alle Kronen (n=80) die Überprüfung der Bruchfestigkeit mittels Druckversuch und die deskriptive Erfassung der Bruchmodi.

Ergebnisse: Unabhängig von Verblendtechnik und Gerüst wiesen alle Kronen vertikale Randspalten zwischen 44±10µm und 85±30µm ohne statistisch signifikante Unterschiede (p=0,05) und damit eine für den klinischen Gebrauch hinreichend genaue vertikale Passgenauigkeit auf. Die thermischen Wechsellasten führten bei 8 presskeramisch verblendeten Kronen zu vorzeitigen Schäden an der Verblendkeramik. Presskeramisch verblendete Kronen, die während des Herstellungsprozesses aufgrund von Korrekturmaßnahmen mehrfach gebrannt wurden, wiesen weniger häufig vorzeitige Schäden auf als die nicht korrigierten Kronen gleicher Art. Bei den schichtkeramisch verblendeten Kronen wurden keine vorzeitigen Schäden festgestellt. Die Bruchfestigkeitswerte aller Kronen lagen zwischen 3.334±638N und 5.998±1.249 N. Weder die Verblendtechnologie noch die künstliche Alterung führte dabei zu einer statistisch signifikanten Veränderung der Bruchfestigkeit. Die CoCr-Gerüst-Kronen frakturierten während des Druckversuches überwiegend adhäsiv, die ZrO2-Kronen größtenteils kohäsiv oder mit Beteiligung des Gerüstes.

Diskussion: Bei optimaler Verarbeitung lassen sich mit der Schicht- und Presstechnik in Bezug auf die vertikale Passgenauigkeit und Bruchfestigkeit vergleichbar gute Ergebnisse erzielen. Korrekturmaßnahmen und Wiederholungsbrände scheinen bei Presskeramiken einen stabilisierenden Einfluss auf deren Resistenz gegenüber thermischen Wechsellasten zu haben.

(Dtsch Zahnärztl Z 2014; 69: 509–518)

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Ausgabe: 10/2014 - S. Zimmer, L. Lieding
Gewohnheiten und Kenntnisse zur Mund- hygiene in Deutsch- land – Ergebnisse einer bevölkerungsrepräsentativen Befragung

Einleitung: Über die aktuellen Mundhygienegewohnheiten und -kenntnisse der deutschen Bevölkerung ist wenig bekannt. Daher wurde eine entsprechende Befragung an einer bevölkerungsrepräsentativen Stichprobe mit 1.025 Probanden (forsa.omninet Panel) durchgeführt.

Material und Methode: In einem strukturierten Online-Interview wurden 11 Fragen mit vorgegebenen Antwortmöglichkeiten zur Mundhygiene gestellt. Gefragt wurde nach der Häufigkeit, dem Zeitpunkt, der Dauer, der Technik und der Systematik des Zähneputzens sowie nach der Art der verwendeten Zahnbürste (manuell oder elektrisch, Borstenhärte). Darüber hinaus wurde nach besonderen Maßnahmen für die Reinigung der Zahnzwischenräume gefragt, den dabei gegebenenfalls eingesetzten Hilfsmitteln sowie der Häufigkeit ihrer Anwendung. Schließlich wurde nach weiteren verwendeten Mundhygiene-Produkten gefragt. Die 1.025 Probanden verteilten sich auf folgende Altersklassen: 14–29Jahre: n=260, 30–50Jahre: n=408, über 50Jahre: n=357. 516 waren männlich, 508 weiblich (1 fehlende Angabe).

Ergebnisse: Eine deutliche Mehrheit von 65% gab an, zweimal täglich die Zähne zu putzen. Als Zeitpunkt des Zähneputzens wurden „vor dem Zubettgehen“ (67%), „nach dem Frühstück“ (51%) und „vor dem Frühstück“ (42%) angegeben. Als Putzzeit wurden am häufigsten zwei (44%) bzw. drei (32%) Minuten genannt. Von den Befragten benutzten 53% eine manuelle und 38% eine elektrische Zahnbürste. 76% verwendeten eine mittelharte und jeweils 9% eine harte oder weiche Zahnbürste. 56% gaben an, immer in der gleichen Reihenfolge die Zähne zu putzen, während 43% nicht auf eine solche Reihenfolge achteten. Auf die Frage nach der Putztechnik wurden am häufigsten kreisende (57%), gefolgt von schrubbenden (33%) und fegenden (28%) Bewegungen genannt. Nur 4% gaben die bei der Bass- bzw. der modifizierten Bass-Technik geforderten rüttelnden Bewegungen an. Insgesamt erklärten 59% der Befragten, für die Reinigung der Interdentalräume bestimmte Hilfsmittel zu verwenden, davon nannten 75% die Zahnseide, 39% Interdentalbürsten, 35% Zahnhölzer oder Zahnpicks und 9% die Munddusche. Zahnseide wurde überwiegend einmal (23%) oder mehrmals in der Woche (28%) sowie einmal täglich (16%) angewendet; Interdentalbürsten einmal (21%) oder mehrmals in der Woche (22%) bzw. einmal (28%) oder mindestens zweimal täglich (15%). Zahnhölzer/Zahnpicks verwendeten die Befragten nach eigenen Angaben hauptsächlich „mehrmals in der Woche“ (25%). Weitere Produkte für die Mundhygiene verwendeten 67% der Befragten: 35% eine Mundspüllösung, 25% Zahnpflegekaugummis, weitere 25% ein spezielles Gel/Zahnpaste zur Fluoridierung, 11% einen Zungenreiniger, 6% eine Munddusche und 3% Zahnpflegebonbons.

Schlussfolgerung: Die in der vorliegenden Studie gewonnenen Informationen zur den Mundgewohnheiten können eine hilfreiche Grundlage für die Suche nach Ansätzen für die Verbesserung der Mundhygiene der deutschen Bevölkerung sein.

(Dtsch Zahnärztl Z 2014; 69: 584–593)

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Ausgabe: 10/2014 - N. Schlüter, C. Gressbach, C. Ziemann, T. Winterfeld, C. Ganß
Kompositbasierte Beschichtungen zur Prävention von Dentinerosionen

Einleitung: Fluoride in Kombination mit Zinn-Ionen haben sich in der Therapie von Schmelzläsionen als effektiv erwiesen, sind jedoch zur Behandlung von Dentinläsionen weniger wirkungsvoll. Als Alternative kommen daher Beschichtungen mit kompositbasierten Materialien in Frage, über deren Effektivität jedoch wenig bekannt ist. Im vorliegenden In-vitro-Experiment wurde daher untersucht, ob sich Beschichtungen mit 3 unterschiedlich charakterisierten selbst-ätzenden Produkten (Clearfil SE, Kuraray Dental, Chiyoda, TKY, Japan; SealProtect, Dentsply DeTrey GmbH, Konstanz, Deutschland; Admira Protect, Voco GmbH, Cuxhaven, Deutschland) in Bezug auf ihre protektiven Eigenschaften unterscheiden.

Methode: Proben von humanem Dentin wurden nach Herstellerangaben mit Clearfil SE, SealProtect oder Admira Protect beschichtet (n=16 pro Gruppe) und einem Erosions/Abrasions-Modell mit Thermocycling (0,5% Zitronensäure, pH 2,5 für 2 min alternierend 5 oder 55 °C, nach jeder Säureeinwirkung automatisierte Bürstabrasion für 15 sec mit einer NaF-Zahnpastenslurry; insgesamt 1.020 Zyklen) ausgesetzt. Beschichtungsdicke, Verschleiß und Zahnhartsubs-tanzverlust wurden profilometrisch quantifiziert.

Ergebnisse: Beschichtungen mit Clearfil SE zeigten zwar einen kontinuierlichen Verschleiß, waren jedoch auch nach 1.020 Zyklen noch auf nahezu allen Probenoberflächen nachweisbar. SealProtect erwies sich als deutlich weniger stabil, bereits nach 120 Zyklen fanden sich erste Verluste und nach 420 Zyklen waren 64% der Beschichtungen verloren gegangen. Admira Protect zeigte zunächst deutliche Quelleffekte, nach 180 Zyklen zeigten sich erst Verluste, nach 420Zyklen waren 54% und nach 1.020 Zyklen 93% der Beschichtungen verloren gegangen. Entsprechend war ein deutlicher Zahnhartsubstanzverlust messbar.

Schlussfolgerung: Selbstätzende kompositbasierte Materialien zeigen offenbar deutliche Unterschiede in ihren protektiven Eigenschaften. Die Studie gibt erste Hinweise darauf, dass Clearfil SE möglicherweise ein geeignetes Material zur Beschichtung erodierenden Dentins sein könnte.

(Dtsch Zahnärztl Z 2014; 69: 564–572)

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Ausgabe: 10/2014 - P. Herrmann, K. Meyer, M. Sandner, T. Jungmann, A. Rahman, W. Geurtsen, H. Günay
Zahnärztliche Gesundheits- frühförderung in der Frühen Hilfe – Eine randomisierte Kontrollgruppenstudie

Einleitung: Familien mit niedrigem sozioökonomischen Status oder Migrationshintergrund sind eine wichtige Zielgruppe präventiver Strategien zur Vermeidung der frühkindlichen Karies (ECC). Da zahnmedizinische Präventionsangebote oft auf einer „Komm-Struktur“ basieren, werden sie gerade von diesen Familien nicht in Anspruch genommen.

Material und Methode: In Niedersachsen und Bremen wurden 505 schwangere, erstgebärende Frauen in das Modellprojekt „Pro Kind“ aufgenommen und einer Begleit (BG)- oder Kontrollgruppe (KG) zugewiesen. Die Frauen der BG wurden bei Hausbesuchen über schwangerschaftsbedingte Veränderungen in der Mundhöhle informiert und zum Zahnarztbesuch motiviert. Von den 260 für eine Evaluation der Zahn- und Mundgesundheit zur Verfügung stehenden Projektteilnehmerinnen nahmen 113 Mütter und Kinder (BG: 57, KG: 56) an der schriftlichen Befragung und der zahnärztlichen Untersuchung im Kindesalter von 24 Monaten teil. Die erhobenen klinischen Parameter waren zur Messung der Kariesinzidenz der dmf-t/DMF-T-Index, der Hygieneindex (HI), der Papillenblutungsindex (PBI), der Periodontal-Screening-Index (PSI) sowie der Kariessanierungsgrad.

Ergebnisse: Die Teilnehmerinnen in der BG verfügten über ein höheres Wissen und nahmen häufiger zahnärztliche Vorsorgeuntersuchungen in Anspruch als die der KG. Darüber hinaus waren sie häufiger kariesfrei und wiesen einen besseren Kariessanierungsgrad auf, dagegen unterschieden sich die Indices zur Mundhygiene zwischen den Gruppen kaum. Der Anteil von Kindern mit frühkindlicher Karies betrug in der BG 8,8% und in der KG 12,5%.

Schlussfolgerung: Die positiven Befunde sprechen für eine Regelimplementierung des Konzeptes zahnärztlicher Gesundheitsfrühförderung in die Frühen Hilfen. Dabei sollten die Prophylaxestrategien für die Risikogruppe ebenso wie die interdisziplinäre Vernetzung zwischen sozialem und medizinischem Sektor ausgebaut werden.

(Dtsch Zahnärztl Z 2014; 69: 573–583)

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Ausgabe: 11/2014
Molaren-Inzisiven-Hypo-mineralisation (MIH): Prävalenz und Therapiebedarf in Deutschland

Einführung: Die Behandlung von hypomineralisierten Zähnen kann im Zusammenhang mit Übersensibilitäten und erschwerter Füllungsbefestigung besondere Herausforderungen darstellen. Ziel dieser Studie war die Abschätzung eines möglichen Therapiebedarfes von Kindern mit MIH in Deutschland auf Grundlage einer Prävalenzerhebung in 4Städten.

Methode: Für die epidemiologische Studie wurden während der gesetzlich vorgeschriebenen Vorsorgeuntersuchungen in 20 Grundschulen von 4 deutschen Städten (West: Düsseldorf, Ost: Greifswald, Nord: Hamburg/Bezirk Eimsbüttel, Süd: Heidelberg) die ersten permanenten Molaren und Inzisiven von insgesamt 2.395 Kindern (2.–4. Klasse) gemäß den MIH-Kriterien der EAPD untersucht. Die Erfassung von MIH-Defekten und Hypersensibilitäten aufgrund MIH erfolgte durch 5 kalibrierte Zahnärzte (K=0,9) an gesäuberten Zähnen.

Ergebnisse: Die Prävalenz der MIH betrug in der gesamten Stichprobe 10,1% (n=242) und variierte in der Stichprobe der einzelnen Städte zwischen 4,3 und 14,6 % (p0,01). Die durchschnittliche Anzahl der von MIH betroffenen permanenten Zähne pro Kind betrug 2,8±1,7, wobei 26,4% der Kinder nur einen betroffenen Zahn aufwiesen. Die meisten Zähne zeigten dabei umschriebene Opazitäten (82,8%), wobei gut die Hälfte der Kinder mit MIH (52,1%) aufgrund von Schmelzeinbrüchen oder Hypersensibilitäten eine Therapie der MIH-Zähne benötigte.

Schlussfolgerung: MIH stellt ein epidemiologisch und klinisch relevantes Thema der Zahnmedizin dar, das sowohl in der allgemeinen zahnärztlichen Ausbildung, in der Fortbildung als auch bei der Spezialisierung von Kinderzahnärzten stärkere Berücksichtigung finden sollte.

(Dtsch Zahnärztl Z 2014; 69: 647–650)

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