Wissenschaft

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ORIGINALARBEITEN
Ausgabe: 01/2017 Sven Timo Schreiber - Mozhgan Bizhang - Stefan Zimmer
In-vitro-Studie zum Über-/Unterschussverhalten von chairside hergestellten Versorgungen

Einleitung: Der Patientenwunsch nach einer langlebigen, naturidentischen und möglichst kostengünstigen Wiederherstellung verloren gegangener Zahnhartsubstanz hat in der heutigen Zeit stark an Bedeutung gewonnen. Um diesem Wunsch gerecht zu werden, bedarf es neben zahnfarbenen hochfesten Materialien einer möglichst harmonischen, spalt- und überschussfreien Randintegrität zwischen Restauration und Zahn. In einer In-vitro-Studie wurden verschiedene im Chairside-Verfahren hergestellte Versorgungen nach Eingliederung bezüglich ihres Über-/Unterschussverhaltens mittels einer visuell-taktilen Methode untersucht.

Material und Methoden: In 60 extrahierte kariesfreie menschliche Molaren wurden standardisierte Klasse-II MOD-Kavitäten mit approximalen Kästen jeweils 1,5mm unterhalb der Schmelz-Zement-Grenze präpariert. Diese wurden in modifizierte Phantommodelle (KaVo, Biberach an der Riß, Deutschland) platziert und mit menschlichen, unversehrten Nachbarzähnen versehen. Die Proben wurden randomisiert 3Gruppen (n=20/Gruppe) zugeordnet. Die Kavitäten in GruppeI wurden mit indirekten Kompositinlays (GrandioSO, VOCO, Cuxhaven, Deutschland), welche extraoral auf einem Silikon-Modell (Die silicone, VOCO, Cuxhaven, Deutschland) hergestellt wurden, restauriert. Die Kavitäten in GruppeII wurden mit CAD/CAM (CEREC 3D, Sirona, Wals,Österreich) Keramikinlays (IPS Empress CAD, Ivoclar Vivadent, Schaan, Lichtenstein) und die Kavitäten der GruppeIII mit inkrementell geschichteten direkten Kompositfüllungen (GrandioSO) versorgt. Die Inlays wurden mit einem dualhärtenden Befestigungskomposit (BiFix QM, VOCO, Cuxhaven, Deutschland) eingesetzt. Nach Ausarbeitung und Politur wurde der zervikale Rand visuell-taktil mithilfe einer zahnärztlichen Sonde (DA458R, Aesculap, Tuttlingen, Deutschland) untersucht und nach folgendem Schema bewertet: Marginal Quality1 (MQ1): perfekter Rand (Score 0), MQ2: Über-/Unterschuss 1/3 der Randlänge (Score 1), MQ3: Über-/Unterschuss 2/3 der Randlänge (Score 2), MQ4: Über-/Unterschuss 2/3 der Randlänge (Score 3), MQ5: kompletter Über-/Unterschuss (Score 4). Die statistische Analyse erfolgte mit dem Mann-Whitney-U-Test (p?0,05).

Ergebnisse: Der Gesamt-Score (MQ1 bis MQ5; Median, 1. und 3. Quartil) für alle Auswertungsbereiche in GruppeI betrug 19,5 (14,5–24,0) in GruppeII 11,5 (8,3–16,0) und in GruppeIII 12,0 (6,3–16,0). Die Ergebnisse für GruppeI waren statistisch signifikant schlechter als für GruppeII und III (p?0,05), zwischen GruppeII und III bestand kein signifikanter Unterschied.

Schlussfolgerung: Unter Berücksichtigung der Limitationen dieser Studie deuten die Ergebnisse auf eine bessere zervikale Randbeschaffenheit der CAD/CAM Inlays und der direkten Kompositfüllungen im Vergleich zu den indirekten Kompositinlays nach Eingliederung hin. Die aus der vorliegenden Studie gewonnenen Erkenntnisse können für Hersteller hilfreich sein, ihre Systeme zur Anfertigung von indirekten Kompositrestaurationen zu verbessern. Gleichzeitig wird der Praktiker auf mögliche Schwachstellen solcher Systeme aufmerksam gemacht und kann diese bei zukünftiger Indikationsstellung stärker berücksichtigen.

(Dtsch Zahnärztl Z 2017; 72: 24–33)

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Ausgabe: 01/2017 Mike Jacob - Dominik Groß
Gutachterliche Anforderungen an die Beurteilung von Behandlungsfällen unter Berücksichtigung professionsethischer Standards

Einleitung: Der vorliegende Beitrag verfolgt das Ziel, die dilemmatischen Aspekte in der zahnärztlichen Begutachtung von Misserfolgsfällen systematisch zu analysieren sowie deren Grundlagen, Begleitumstände und Folgen professionsethisch wie theoretisch zu hinterfragen.

Methode: Der Beitrag fußt methodisch (1) auf einer prototypischen Fallanalyse und (2) einer professionstheoretisch erweiterten Fallanalyse.

Ergebnisse: Im Sachverständigengutachten zur Klärung eines zahnmedizinischen Misserfolgs bedarf es der Berücksichtigung aller relevanten Faktoren, die zu einem erfolgreichen Behandlungsablauf beitragen und somit das gleichzeitige Berücksichtigen von fachlichen, ethischen sowie Beziehungsaspekten bedingen. Ein Gutachterwesen, das den Fokus allein auf die „handwerklich-technische“ Perspektive eines strittigen Falles richtet, wird modernen professionellen und berufsethischen Ansprüchen nicht gerecht.

Schlussfolgerungen: Rein handwerklich ausgerichtete Gutachten wirken als juristisch legitimierte Handlungsanweisung. Es entsteht ein Paradoxon, wenn die gutachterliche Bewertung eines zahnmedizinischen Misserfolgs auf eine lediglich technisch kompetent ausgeführte Handlung reduziert wird, während die (gleichermaßen bedeutsame) Arzt-Patienten-Beziehung unbeachtet bleibt. Die Berücksichtigung ebendieser Zusammenhänge ist folglich von großer Bedeutung für den Patienten wie auch für den Zahnarzt.

(Dtsch Zahnärztl Z 2017; 72: 34–45)

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Ausgabe: 01/2017 Karen Meyer - Hüsamettin Günay - Ingmar Staufenbiel - Kira Niehus - Werner Geurtsen
Effektivität einer modifizierten Zahnbürste mit kontinuierlicher Wasserzufuhr auf die Plaquekontrolle

Einführung: Den Erkrankungen des Zahnhalteapparates und der Zahnhartsubstanzen aufgrund von mikrobiellen Belägen kann bis dato nicht ausreichend vorgebeugt werden. Neben zahnärztlichen Maßnahmen zur Verbesserung der häuslichen Mundhygiene wie Motivation und Instruktion wird deshalb versucht, effizientere Mundhygienehilfsmittel zu entwickeln. In der vorliegenden Pilotstudie sollte der Einfluss einer kontinuierlichen Wasserzufuhr bei manuellen und elektrischen Zahnbürsten auf die orale Plaquekontrolle geprüft werden.

Methode: Es wurden insgesamt 26Probanden einbezo-gen und auf 2Gruppen verteilt (Gruppe 1: 14Probanden, Alter 22,9±5,8Jahre; Gruppe 2: 12Probanden, Alter 72,1±3,9Ja-hre). Nach einer 48-stündigen Plaqueakkumulationsphase wurden je eine manuelle und elektrische Zahnbürste mit (Waschzahnbürste) und ohne kontinuierliche Wasserzufuhr in einer einmaligen Anwendung getestet. Zur Beurteilung der Plaquereduktion wurden der Quigley-Hein-Index nach Turesky sowie der Approximale-Plaque-Index nach Lange jeweils vor und nach dem Zähneputzen erhoben.

Ergebnisse: Die durchschnittliche Reinigungseffektivität auf den Glattflächen erwies sich bei der manuellen und elektrischen Waschzahnbürste verglichen mit den konventionellen Zahnbürsten in beiden Gruppen als größer. Die Reduktion des Plaqueindexwertes betrug bei der manuellen Waschzahnbürste 65,4–66,7% und bei der elektrischen Waschzahnbürste 62,5–68,0% (konventionelle Handzahnbürste 52,4–62,5%; konventionelle elektrische Zahnbürste 51,9–60,9%). Die mittlere approximale Reinigungsleistung war für die manuelle Waschzahnbürste in beiden Gruppen signifikant besser (Reduktion des approximalen Plaqueindexwertes manuelle Waschzahnbürste 18,9–24,7% vs. konventionelle Handzahnbürste 8,9–9,9%), auf die elektrische Waschzahnbürste traf dies lediglich in der ersten Gruppe zu (Reduktion des approximalen Plaqueindexwertes elektrische Waschzahnbürste 19,1% vs. konventionelle elektrische Zahnbürste 11,7%). Innerhalb der zweiten Gruppe wurde mit der elektrischen Waschzahnbürste nur eine marginal verbesserte approximale Plaqueentfernung erzielt (Reduktion des approximalen Plaqueindexwertes elektrische Waschzahnbürste 20,4% vs. konventionelle elektrische Zahnbürste 19,9%).

Schlussfolgerung: Eine kontinuierliche Wasserzufuhr zeigt sowohl bei jüngeren als auch bei älteren Probanden einen positiven Effekt im Hinblick auf die Plaquekontrolle.

(Dtsch Zahnärztl Z 2017; 72: 46–52)

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Ausgabe: 02/2017 Rugzan Jameel Hussein - Thomas Schneller
Einflussfaktoren auf die zahnärztliche Prophylaxe seitens des Zahnarztes, des Patienten sowie des Gesundheitssystems:

Einführung: Die Inanspruchnahme der Prophylaxe hängt z.B. von der finanziellen Situation des Patienten, vom Interesse des zahnärztlichen Teams sowie von der Kostenübernahme durch die Krankenkassen ab. Diese Faktoren beeinflussen die Inanspruchnahme der Prophylaxe in unterschiedlichem Maß.

Methode: Die Einflussfaktoren seitens des Zahnarztes, des Patienten sowie des Gesundheitswesens wurden mittels einer schriftlichen Befragung niedergelassener Zahnärzte in Niedersachsen und Bremen im Jahr 2009 (Rücklauf 33%, n=685) und einer aktualisierten systematischen Literaturrecherche im Jahr 2015 untersucht. Die Ergebnisse beider Methoden werden miteinander verglichen, um Ergänzungen zu den Einflussfaktoren zu identifizieren.

Ergebnisse: 660Fragebögen waren auswertbar. Weibliche Zahnärzte machten 44,2% der Stichprobe (n=289) aus. Im Durchschnitt waren die Zahnärzte 46Jahre alt. Seitens des Zahnarztes waren die präventiven Kompetenzen (89,3%) und die Einstellungen der Zahnärzte (98,0%) unter den wichtigsten Einflussfaktoren. Die Ausbildung und die kontinuierliche Fortbildung des Praxispersonals (94,8%) zählten ebenfalls mit zu den wichtigsten Einflussfaktoren. Seitens des Patienten nannten die Zahnärzte das Interesse des Patienten an Prävention (98,5%) als wichtigen Einflussfaktor. Die finanzielle Situation (ca. 90%) spielte ebenfalls eine große Rolle bei der Inanspruchnahme der Prophylaxe. Seitens des Gesundheitssystems zählte die Kostenübernahme als wichtiger Einflussfaktor. Die Literaturrecherche ergab insgesamt 20Studien, die sich mit den Einflussfaktoren auf die zahnärztliche Prophylaxe befassen. Alle in der Befragung aus dem Jahr 2009 untersuchten Faktoren fanden sich in der systematischen Literaturrecherche wieder. Weiterhin zählten die Präventionsorientierung der Praxis, die sozioökonomische Situation des Patienten sowie die Kostenerstattung durch die Krankenkassen zu den wichtigsten Determinanten für Prophylaxe. Mehr neue Faktoren wurden seitens des Patienten im Vergleich zu den anderen 2Gruppen identifiziert, z.B. das Alter des Patienten. Auf Seiten des Zahnarztes wurde dessen Motivation zur Prävention durch vorherigen Erfolg als neuer Faktor identifiziert. Seitens des Gesundheitswesens konnten keine neuen Faktoren gefunden werden.

Diskussion und Schlussfolgerung: Nach wie vor sind Präventionsorientierung der Zahnarztpraxis, Zahlungsbereitschaft und die Einstellungen des Patienten sowie eine Kostenübernahme entscheidend für die Prophylaxe. Prophylaxe ist nur wirksam und medizinisch sinnvoll, wenn sie als Praxisphilosophie und Gesamtkonzept betrachtet wird. Eine klare, erkennbare Präventionsorientierung vermittelt dem Patienten den Stellenwert des vorbeugenden Vorgehens und den Wert der Gesunderhaltung, was wiederum sein Verhalten und seine Einstellungen verändern kann. Das Gesundheitssystem sollte sich verstärkt für eine präventive Orientierung zahnärztlicher Versorgung, besonders für bestimmte Risikogruppen, einsetzen und z.B. durch verstärkte Aufklärung mehr Anreize für Prophylaxe geben.

(Dtsch Zahnärztl Z 2017; 72: 134–146)

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Ausgabe: 02/2017 Christian H. Splieth - Julian Schmoeckel - Elisabeth Schüler - Ruth M. Santamaria Sanchez
Prävention im Milchgebiss: das Ende einer Erfolgsstory?

Zusammenfassung: Durch evidenzbasierte Prävention konnte bei Kindern und Jugendlichen ein Caries decline erzielt werden. Dieser Kariesrückgang ist in der permanenten Dentition deutlicher ausgeprägt als im Milchgebiss. Epidemiologische Untersuchungen ergaben außerdem einen unzulänglichen Sanierungsgrad in dieser primären Dentition und eine Kariespolarisierung. Um die dentale Gesundheit der Kariesrisikogruppe weiter zu verbessern ist es zielführend, wissenschaftlich fundierte Programme auf den Ebenen der Kollektiv-, Gruppen- und Individualprophylaxe weiter auszubauen. Bewährt haben sich hierbei die dreiSäulen der Prophylaxe, bestehend aus Ernährungslenkung, Belagsentfernung und Fluoridierung, wobei die Fluoridierung nachgewiesenermaßen die wirksamste Komponente darstellt. Um die Milchzahnkaries weiter einzudämmen, sollte die zahnärztliche Gruppenprophylaxe flächendeckend und fluoridbasiert auf die kinderbetreuenden Einrichtungen, insbesondere die Kinderkrippen, ausgedehnt werden und die Frühprophylaxe ab dem ersten Milchzahn in der Zahnarztpraxis etabliert werden.

(Dtsch Zahnärztl Z 2017; 72: 148–154)

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Ausgabe: 03/2017 Peter Rammelsberg - Khaled Hamadi - Daniel Farhan - Marc Schmitter
Klinische Bewährung von zwei verschiedenen aufbauverankernden Elementen – 5-Jahres- Ergebnisse einer prospektiven Studie

Einführung: In vielen Fällen ist ein Stift-verankerter Aufbau zur Wiederherstellung von Substanzdefekten stark zerstörter und endodontisch behandelter Zähne vor einer prothetischen Versorgung notwendig. Ziel dieser klinischen, prospektiven, randomisierten Studie war der Vergleich der Überlebens- und Komplikationsraten zweier Stiftsysteme nach 5Jahren.

Material und Methode: Für diese Studie wurden insgesamt 100Patienten rekrutiert und mittels Blockrandomisierung in 2Gruppen eingeteilt; 50Patienten wurden mit glasfaserverstärkten Wurzelstiften (ER-DentinPost, Brasseler, D-Lemgo) und 50Patienten mit Titanschrauben (BKS, Brasseler, D-Lemgo) versorgt. Recalls wurden nach einem und nach 5Jahren durchgeführt. Bei den Recallterminen wurden Zahnregion, klinischer Befund, Art der definitiven Restauration, antagonistische Kontakte und Komplikationen dokumentiert. Wurzelfrakturen, Stiftfrakturen oder -dezementierungen sowie Zahnverluste wurden als Misserfolg gewertet. Die statistische Analyse zur Beurteilung von Risikofaktoren auf das Überleben der Stiftsysteme wurde mittels einer Cox-Regressionsanalyse vorgenommen. Zusätzlich wurden Kaplan-Meier-Überlebenskurven generiert und die Überlebensraten mittels Log-Rank-Tests verglichen.

Ergebnisse: Nach einem Beobachtungszeitraum von einem Jahr war die Überlebensrate der ER mit 93,5% signifikant höher als die der BKS mit 75,6% (P=0,049). Dabei wurden in der BKS-Schrauben-Gruppe mehr ungünstige und irreparable Misserfolge festgestellt. Nach einem 5-Jahres-Beobachtungszeitraum traten insgesamt 32Misserfolge auf. Elf Misserfolge wurden in der ER-Gruppe beobachtet und 21 in der BKS-Gruppe. Die Überlebensrate der ER und BKS lag bei rund 72% bzw. 50%, was einen signifikanten Unterschied darstellte (P=0,026).

Schlussfolgerung: Die Ergebnisse zeigen, dass lange BKS-Schrauben nach 5Jahren Tragedauer signifikant höhere Versagensraten aufweisen als Glasfaserstifte. Dennoch sind die Überlebensraten beider Gruppen nach 5-jähriger Beobachtungsdauer relativ gering. Lange Metallschrauben (Schraube entspricht 50% der Wurzellänge) sollten daher im klinischen Alltag nicht eingesetzt werden.

(Dtsch Zahnärztl Z 2017; 72: 214–221)

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Ausgabe: 03/2017 Jens C. Türp
Sechs Gramm Caratillo und die Weisheit der Vielen

Einführung: Zu den erwünschten Fähigkeiten eines klinisch erfolgreichen und zugleich wissenschaftlich orientierten Zahnarztes gehören die Fähigkeiten des Zuhörens und des akademischen Schreibens.

Methode/Ergebnis: Zur Schulung dieser Eigenschaften wurden 28Zahnmedizinstudenten mit einem von einem Schauspieler gesprochenen halbstündigen Hörspiel über ein tödlich verlaufendes wissenschaftliches Experiment konfrontiert. Auf einem vorgefertigten Erhebungsblatt protokollierten die Teilnehmer alle gesundheitsbezogenen verbalen und nonverbalen Informationen des Protagonisten. Nach Abgleichen der Aufzeichnungen wurde als Gruppenarbeit ein strukturiertes Kongressabstract verfasst.

Diskussion: Die Übung bietet vielfältige Anknüpfungspunkte zur Vermittlung klinischer und wissenschaftlicher Kompetenzen zu Themen wie Arzt-Patient-Kommunikation, Forschung an Tier und Mensch sowie wissenschaftliches Schreiben.

Schlussfolgerung: Die Berücksichtigung von themenspezifischen Hörspielen im Rahmen der zahnmedizinischen Ausbildung ist empfehlenswert.

(Dtsch Zahnärztl Z 2017: 72: 222–231)

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Ausgabe: 05/2017 Jochen Jackowski - Korbinian Benz - Karsten Fehn
Strafrechtliche Compliance bei der Durchführung ambulanter Operationen in Vollnarkose

Zusammenfassung: In der jüngeren Vergangenheit ist zunehmend zu beobachten, dass niedergelassene Oralchirurgen und Zahnärzte in den Fokus strafrechtlicher Ermittlungen geraten. Bedingt durch diverse Vorfälle wird u.a. das Gesamtkonzept der ambulanten operativen Medizin in Frage gestellt, da es wegen einer unzureichenden Nachsorge immer wieder zu schwersten Komplikationen und teilweise auch zu Todesfällen kommt. Die bestehenden strafrechtlichen Risiken bei der Zusammenarbeit von Oralchirurg und Anästhesist bei der Durchführung ambulanter Operationen in Vollnarkose werden verschärft, da durch 2Behandler das Risiko gewissermaßen verdoppelt wird und nunmehr 2Behandler die Verantwortung für eine einheitliche Organisation eines fachgerechten Behandlungsablaufes tragen. Im Rahmen der Wahrnehmung dieser Organisationspflichten ist eine exakte Abgrenzung der dem Oralchirurgen und dem Anästhesisten jeweils obliegenden Zuständigkeitsbereiche vorzunehmen und in Grenzbereichen bzw. Schnittmengen sind detaillierte Absprachen zu treffen, denen die im Schadensfall strafrechtlich zu beurteilenden Verantwortungsbereiche folgen. Fehler in der Zuständigkeitsabgrenzung können zu für den Patienten gefährlichen Lücken in der Behandlung und Überwachung oder zu – möglicherweise nicht minder riskanten – Überschreitungen der jeweiligen Fachkompetenzen führen. Für die an der Behandlung beteiligten Zahnärzte ist es daher unerlässlich, sich die ihnen obliegenden Pflichten bewusst zu machen, sich die zahnmedizinische bzw. medizinische und die daran anknüpfende strafrechtliche Tragweite ihres Handelns vor Augen zu führen und durch eine enge Abstimmung den Behandlungsablauf zu organisieren und insbesondere die Inhalte und Grenzen des eigenen Faches zu beachten. Angesichts der Vielzahl und des Umfangs der hierbei zu beachtenden strafrechtlichen und sonstigen rechtlichen Aspekte erscheint es dabei sinnvoll, sich verschiedener Compliance-Instrumente zu bedienen. Diese müssen alle auf der Überlegung beruhen, dass das eigene Handeln der ständigen Überprüfung und Anpassung hieran bedarf. Fehler entstehen durch unüberlegtes oder allzu routiniertes Verhalten. Routine darf lediglich in Bezug auf die vorerwähnte Überprüfung und Anpassung des Verhaltens Einzug in das zahnärztliche Handeln halten. Für die strafrechtskonforme Organisation der oralchirurgischen Praxis erscheint zunächst eine umfassende „Checkliste“ sinnvoll, welche die Beachtung der wesentlichen strafrechtlich relevanten Aspekte gewährleistet. Das Gleiche gilt für eine Begehung und Überprüfung der oralchirurgischen Praxis auf ihre Eignung für die Durchführung ambulanter Operationen in Vollnarkose sowie deren Protokollierung. Ferner ist die Etablierung eines (juristischen) Notfallmanagement-, Notfallpräventions- und Fehlervermeidungssystemes anzuraten. Schließlich ist vorsorglich, wenngleich auch rechtlich grundsätzlich nicht zwingend erforderlich, der Abschluss einer Vereinbarung über die Zusammenarbeit zwischen Oralchirurg und Anästhesist empfehlenswert.

(Dtsch Zahnärztl Z 2017; 72: 398–410)

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Ausgabe: 05/2017 Dominik Groß - Ralf Vollmuth
Zwischen Gütesiegel und Scheinargument:

Einführung: Die Professionelle Zahnreinigung (PZR) ist seit Jahren Gegenstand kontroverser Diskussionen. Sie gehört bislang aufgrund ihrer (vermeintlich) fehlenden Evidenz nicht zum Leistungskatalog der Krankenkassen, wird jedoch in nahezu allen Zahnarztpraxen als zuzahlungspflichtige zahnärztliche Leistung angeboten. Der vorliegende Beitrag geht am Beispiel PZR der Frage nach, welche Rolle der (ihrerseits umstrittenen) Evidenzbasierten Medizin bzw. Zahnmedizin (EbM/EbZ) bei der Einordnung und Bewertung zahnärztlicher Leistungen zukommen sollte und welche anderen Einflussgrößen – auch aus ethischer Sicht – in die Entscheidungsprozesse einzubeziehen sind.

Methode: Methodische Grundlagen des vorliegenden Beitrages sind (1) eine Analyse der einschlägigen Fachliteratur sowie (2) eine theoretische Erörterung der Möglichkeiten, Grenzen und Fallstricke der Evidenzbasierten Medizin (EbM) unter besonderer Berücksichtigung normativer Argumentationslinien.

Ergebnis/Schlussfolgerung: Auch wenn der Stellenwert der Evidenzbasierten Medizin bzw. Zahnmedizin für eine qualitativ hochwertige Versorgung der Patienten im Grundsatz unbestritten ist, ist die Bewertung der externen Evidenz nicht immer frei von Deutungen und interessengestützten Einflüssen. Sie ist überdies abhängig von der jeweiligen Studienlage – und letztere wiederum von den spezifischen Rahmenbedingungen und Besonderheiten des betreffenden Fachgebietes. Insofern bedarf jede Behandlungsmaßnahme immer auch der individuellen klinischen Expertise des behandelnden Arztes oder Zahnarztes. Dieser muss unter Einbeziehung und Abwägung der Indikationen, Kontraindikationen und Kosten-Nutzen-Relationen, seines Erfahrungsschatzes (Empirie) sowie einer individuellen ethischen Bewertung zu einer Einzelfallentscheidung kommen, die dem jeweiligen Patienten und seinen gesundheitlichen Interessen gerecht wird.

(Dtsch Zahnärztl Z 2017; 72: 382–388)

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Ausgabe: 05/2017 A. Rainer Jordan - Regine Chenot - Jörg Schmidt
Informationsbedürfnisse und Stellenwert von Leitlinien im Praxisalltag: Eine qualitative Studie

Einführung: Dieser Beitrag gibt einen Einblick in die Einstellungen niedergelassener Zahnärzte zu evidenzbasierten Leitlinien sowie zu möglichen Hindernissen und Anreizen für die Anwendung der Leitlinienempfehlungen im Versorgungsalltag.

Material und Methode: Wir führten 2Gruppendiskussionen mit 14 niedergelassenen Zahnärzten in Berlin und München durch. Die Gruppendiskussionen wurden digital aufgezeichnet und vollständig transkribiert. Die Daten wurden inhaltsanalytisch ausgewertet, um die zentralen Themen zu erschließen.

Ergebnisse: Die von den Teilnehmern geäußerten Themen wurden zu 3Dimensionen zusammengefasst: 1) Erleben und Relevanz von EbM und Leitlinien im Praxisalltag, bei der Beratung und Patientenbehandlung 2) Anreize und Barrieren für die Nutzung von Leitlinien und 3) Informationsbedürfnisse der potenziellen Nutzer von Leitlinien. Aktualität und Sicherheit werden als wichtige Aspekte von Leitlinien erlebt. Barrieren für die Nutzung von Leitlinien können in Informationsfülle und mangelnder Integration in den Praxisalltag bestehen. Anreize, sich mehr mit Leitlinien zu beschäftigen, liegen in der Verbesserung der Patientenversorgung und der Compliance. Medien der Verbreitung können sowohl Fortbildungsangebote als auch Fachpublikationen sein. Dabei sollten regelmäßig Neuigkeiten vorgestellt werden. Für den Wissenstransfer von Leitlinien wird das Internet als geeignet eingeschätzt, aber auch fachliche Informationen in Printform werden wahrgenommen und können das Thema Leitlinien verstärkt ins Bewusstsein bringen.

Diskussion und Schlussfolgerung: Die kognitive Integrationsleistung von externem Wissen (Leitlinien), täglicher

Praxisarbeit und Patientenerwartungen bei der Akzeptanz bzw. Nicht-Akzeptanz von Leitlinien scheint deshalb nicht zustande zu kommen, weil die bisher verfügbaren Leitlinien in diesem Sinne von den Teilnehmern als wenig praxisrelevant eingeschätzt werden und im Zahnarzt-Patienten-Verhältnis auch (noch) keine wichtige Rolle spielen. Die verstärkte Kommunikation der „Stärken“ von Leitlinien könnte dazu führen, die Akzeptanz und den Nutzen von Leitlinien bei den Zahnärzten spürbar zu erhöhen.

(Dtsch Zahnärztl Z 2017; 72: 390–397)

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