Wissenschaft

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ÜBERSICHTEN
Ausgabe: 02/2018 Joachim Enax - Matthias Epple
Die Charakterisierung von Putzkörpern in Zahnpasten

Zusammenfassung: Putzkörper sind essenziell für die Reinigungsleistung einer Zahnpasta und unterstützen damit die Mundgesundheit. Es gibt eine Vielzahl unterschiedlicher Putzkörper, die vor allem auf Silica und calciumhaltigen Verbindungen basieren. Insbesondere Silica-Putzkörper haben eine große Marktbedeutung, da die Abrasions- und Reinigungseigenschaften durch unterschiedliche Synthesebedingungen gezielt angepasst werden können. Außerdem sind sie innerhalb der Zahnpastenformulierung weitgehend inert, beispielsweise gegenüber Fluoriden. Die mechanische Charakterisierung von Putzkörpern (z.B. ihre Härte) ist aufgrund ihrer Größe (im µm-Bereich) und ihrer Form nur indirekt möglich. Hierzu gibt es unterschiedliche In-vitro-Methoden, wobei die RDA-Messung (Radioactive Dentin Abrasion) am Bekanntesten ist. Allerdings sind RDA-Messungen aufgrund ihrer Komplexität und der hohen Kosten keine Routineanalysen. Die Kombination des RDA-Werts mit weiteren Methoden wie Radioactive Enamel Abrasion (REA), Pellicle Cleaning Ratio (PCR), Profilometrie und Kupferabrasion verbessert die Aussagekraft. Grundsätzlich liefern alle diese Methoden Hinweise auf Abrasion und Reinigungsleistung von Putzkörpern in Zahnpasten. Aufgrund der Streuung der Ergebnisse sowie vielfältigen (individuell unterschiedlichen) Effekten wie der Art der Zahnbürste und des ausgeübten Drucks beim Zähneputzen lassen sich die im Labor gemessenen Ergebnisse nicht direkt auf die tägliche klinische Anwendung übertragen. Durch optimierte chemische Syntheseprozesse lässt sich aber insgesamt ein Trend zu effektiveren Putzkörpern feststellen (verbessertes RDA/PCR-Verhältnis).

(Dtsch Zahnärztl Z 2018; 73: 100–108)

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ORIGINALARBEITEN
Ausgabe: 01/2018 Monika Daubländer - Claudia Welte-Jzyk - Gerlinde Uslu
Anwendung von Phentolaminmesilat in zahnmedizinischen Praxen in Deutschland

Einführung: Für die meisten zahnmedizinischen Routinebehandlungen werden Lokalanästhesielösungen verwendet, die Adrenalin als Vasokonstriktor enthalten. Ein häufig als störend empfundener Nebeneffekt der Lokalanästhesie ist die über die Dauer der eigentlichen Behandlung hinaus anhaltende Betäubung der Oropharyngealregion, was mit Problemen beim Essen, Trinken und Sprechen sowie einem erhöhten Risiko der Selbstverletzung durch Bisse in Lippe oder Zunge einhergeht. OraVerse (Phentolaminmesilat) ist seit 2011 in Deutschland zur Aufhebung der Lokalanästhesie nach zahnmedizinischen Routineeingriffen zugelassen. Bislang liegen allerdings nur wenige Daten über die Anwendung von OraVerse bei zahnärztlichen Routineeingriffen in Deutschland vor. In Abstimmung mit der Zulassungsbehörde wurde der vorliegende „Prescription Survey“ durchgeführt, um weitere Daten zur Anwendung in der Routine zu gewinnen.

Methode: In dieser nicht-interventionellen Studie wurden bundesweit von niedergelassenen Zahnärzten retrospektiv die Anzahl der innerhalb von 3Monaten mit OraVerse behandelten Patienten sowie die jeweiligen Behandlungsumstände für max. 6Patienten pro Zentrum dokumentiert.

Ergebnisse: OraVerse wurde in 91Zentren mit einer Gesamtzahl von 523Patienten im Alter zwischen 6 und 97Jahren verabreicht; die Mehrzahl (96,6%) war ?18Jahre alt. Den meisten dieser Patienten (68,3%) wurde OraVerse im Zusammenhang mit der Präparation von Kavitäten zum Einsetzen von Füllungen oder Kronen verabreicht. Im Durchschnitt wurde eine Menge von 474±246?g (entspricht 2,01±1,05ml) OraVerse injiziert. Die Compliance mit der Fachinformation betrug 100% hinsichtlich des Alters der Patienten und 99,8% hinsichtlich der verabreichten Lokalanästhetika; bezüglich der empfohlenen Dosis von OraVerse im Verhältnis zum verwendeten Lokalanästhetikum wurde zwar eine etwas niedrigere Compliance beobachtet (77,9%), wobei aber in den meisten Fällen eine geringere Menge injiziert wurde, als in der Fachinformation empfohlen.

Diskussion und Schlussfolgerung: Die Querschnittsstudie vermittelt einen Überblick über die Anwendung von OraVerse bei Routinebehandlungen im zahnmedizinischen Praxisalltag in Deutschland. Die Ergebnisse spiegeln insbesondere die Behandlung erwachsener Patienten wider. Die Ergebnisse deuten auf eine hohe Compliance mit der Fachinformation für OraVerse in zahnärztlichen Routinebehandlungen in Deutschland hin.

(Dtsch Zahnärztl Z 2018; 73: 38–44)

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Ausgabe: 01/2018 Marcus Stoetzer - Valeh Mirzabayli - Andreas Kampmann - Juliane Lemound - Nils-Claudius Gellrich - Constantin von See
Auswirkung eines piezo- gesteuerten Periost- präparationsinstrumentes auf die Expression von BMP-2 und VEGF-A165 unter begleitender Bisphosphonattherapie an der Ratte

Einleitung: Das Periost spielt eine wesentliche Rolle bei der Knochenregeneration. Die Piezotechnologie ist besonders schonend bei chirurgischen Eingriffen am Knochen. Bei Patienten mit einer begleitenden Therapie mit Bisphosphonaten, kommt es leider oftmals zu den Bisphosphonat-assoziierten Nekrosen des Kiefers, wenn ein chirurgischer Eingriff am Kiefer notwendig ist. Dabei ist der Mechanismus der Bisphosphonat-assoziierten Kiefernekrose bis heute noch nicht hinreichend geklärt. Inwieweit die piezogesteuerte Periostdissektion die Faktoren BMP-2 und VEGF-A165 beeinflusst, soll in dieser Studie geklärt werden.

Material und Methode: Adulte Lewis-Ratten wurden randomisiert in 5Gruppen eingeteilt. Zwei Gruppen wurden mit Zolendronsäure über 6Wochen angereichert, die anderen 3Gruppen erhielten keine Zolendronsäure. Nach den 6Wochen wurde im Oberkiefer ein Defekt gesetzt und dieser mittels eines Mukoperiostlappens, entweder konventionell mit dem Raspatorium oder mittels der Piezotechnologie präpariert, verschlossen. Nach 4Wochen erfolgte die Bestimmung des BMP-2 und VEGF-A165 mittels der qRT-PCR.

Ergebnisse und Schlussfolgerung: Die qRT-PCR Auswertung zeigt, dass die BMP-2-Expression in den Gruppen Piezoinstrument mit Bisphosphonaten, Raspatorium mit und ohne Bisphosphonate und in der Kontrollgruppe annähernd vergleichbar sind. Ein signifikanter Unterschied zeigt sich in der Gruppe Piezoinstrument ohne Bisphosphonate. Betrachtet man die Freisetzung von VEGF-A165, so zeigt sich, dass die Kontrollgruppe vergleichbar mit den Gruppen Raspatorium und Piezoinstrument mit Bisphosphonaten ist. Ein signifikanter Unterschied besteht in der Gruppe Piezoinstrument ohne Bisphosphonate mit dem höchsten Ausschlag. Eine etwas höhere Freisetzung an VEGF-A165 zeigt sich in der Gruppe Raspatorium ohne Bisphosphonate. Die Ergebnisse zeigen, dass sich zwar unter der Therapie mit Bisphosphonaten kein Periostpräparationsinstrument durchsetzen konnte; hier gibt es keinen Vorteil, allerdings konnte gezeigt werden, dass die Freisetzung der Faktoren BMP-2 und VEGF-A165 in der Anwendung der Piezotechnologie deutlich gesteigert wird. Dieses könnte einen positiven Effekt bei ausgedehnten Eingriffen bewirken, sei es bei der Augmentation oder bei ausgedehnten Rekonstruktionen in der Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie.

(Dtsch Zahnärztl Z 2018; 73: 29–37)

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Ausgabe: 02/2018 Jörg Marcel Rietschel - Kerstin Steiding - Christian Hannig - Ruth Strasser
Die Anwendung von Saugzahnbürsten in der Intensivmedizin

Einführung: Ziel der Untersuchung war es, bei intubierten Patienten in der Intensivmedizin die Auswirkung der Reduktion des oralen Biofilms mithilfe von Saugzahnbürsten auf das Auftreten beatmungsassoziierter nosokomialer Pneumonien (VAP) zu evaluieren.

Methode: In die Studie wurden 24Patienten (Alter 59,5±15,1Jahre) des Herzzentrums der Universitätsklinik an der Technischen Universität Dresden eingeschlossen, die für 7Tage beatmet wurden und mindestens 2natürliche Zähne (Mittellwert 17,5±9,2) aufwiesen. In Gruppe1 (n=12) wurde alle 8h eine Mundpflege (Zahn-, Schleimhaut- und Zungenreinigung) mit Saugzahnbürsten Toothette (TapMed GmbH, Schauenburg-Hoof) vorgenommen und eine Kontrolle mittels Plaque- und Zungenbelagindex durchgeführt (Tag1, 3 und 7). In der zweiten Gruppe (n=12) wurde zusätzlich zur mechanischen Pflege die Zahnpaste Meridol verwendet.

Ergebnisse: Der Zungenbelagindex und der Plaque-Index wurden in beiden Gruppen signifikant reduziert, die additive Anwendung von Zahnpasta ergab keinen zusätzlichen Effekt. VAP trat in jeweils 3Fällen auf. Die durchschnittliche Häufigkeit der VAP entsprach dem Durchschnitt der Surveillance klinischer Infektionen im Universitätsklinikum Dresden.

Schlussfolgerung: Einfache mechanische Mundpflegemaßnahmen tragen maßgeblich zum Biofilmmanagement in der Mundhöhle bei. Durch die zusätzliche Anwendung einer fluoridierten Zahnpasta ließ sich das Ergebnis gegenüber der Gruppe1 in Bezug auf die untersuchte Fragestellung nicht weiter verbessern. Das nosokomiale Infektionsrisiko wird durch die Pflegemaßnahmen potenziell gesenkt.

(Dtsch Zahnärztl Z 2018; 73: 94–99)

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Ausgabe: 02/2018 Hüsamettin Günay - Maren Brückner - Kerstin Böhm - Alina Beyer - Marco Tiede - Karen Meyer-Wübbold
Effekt des doppelten Putzens auf die Wurzelkaries-Inzidenz und den parodontalen Zustand bei Senioren

Einführung: Die Prävalenz von Wurzel- und Kronenrandkaries sowie marginaler Parodontitis steigen mit dem Alter an. Wurzeloberflächenkaries und Parodontitis sind die Hauptgründe für Zahnverlust, was wiederum negative Auswirkungen auf die Lebensqualität hat. Um Zahnverluste zu vermeiden und eine hohe Lebensqualität im Alter zu erhalten, ist neben professionellen Maßnahmen eine optimale effektive häusliche Mundhygiene notwendig. Das Ziel der vorliegenden Studie war es deshalb zu untersuchen, ob eine Modifikation bei der häuslichen Mundhygiene (doppeltes Zähneputzen) effizient bezüglich der parodontalen Gesundheit und der Verhinderung von Wurzeloberflächen- und Kronenrandkaries bei älteren Menschen während der unterstützenden Parodontitistherapie ist.

Methode: Es wurden insgesamt 56Teilnehmer unseres Recall-Systems (unterstützende Parodontitistherapie) in die Studie einbezogen und diese zufällig 2Gruppen zugeordnet (Test-Gruppe [„Doppelputzer“ – DP]; Kontroll-Gruppe [„Einfachputzer“ – EP]). Beide Gruppen sollten im Rahmen ihrer häuslichen Mundhygiene ihre Zähne systematisch putzen (alle Zahnflächen, anschließend gesondert die Zahnzwischenräume und den Zungenrücken). Die Teilnehmer der DP wurden instruiert, abends nach der Reinigung noch einmal gesondert mit einer erbsengroßen Menge fluoridierter Zahnpasta mindestens eine Minute lang die bereits gereinigten Zahnoberflächen und das Zahnfleisch systematisch in kleinen kreisenden Bewegungen zu putzen. Alle Patienten wurden zu Beginn und nach 3Jahren untersucht. Es wurden folgende Parameter erhoben und statistisch ausgewertet: DMF-T, Hygiene-Index (HI), Periodontal Screening Index (PSI), Quigley-Hein-Index (QHI), Approximalraum-Plaque-Index (API), Root-Caries-Index (RCI), Neubildung von Wurzeloberflächen- und Kronenrandkaries nach Zahnanzahl und Fläche.

Ergebnisse: Die DP setzte sich aus 27 (16männlich; 11weiblich, durchschnittliches Alter 66,1±5,5Jahre) und die EP aus 29Teilnehmern (18männlich; 11weiblich; durchschnittliches Alter 66,0±6,2Jahre) zusammen. Nach 3Jahren zeigte sich in der DP eine signifikante Verbesserung des PSI im Vergleich zum Projektbeginn. In der EP gab es nach 3Jahren eine leichte, jedoch nicht statistisch signifikante Verbesserung des PSI. Die Teilnehmer der DP entwickelten signifikant weniger kariöse Läsionen als die Probanden der EP. In der DP zeigten sich nach 3Jahren im Mittel an 0,2±0,5Zähnen eine Kronenrand- und an 0,4±0,8Zähnen eine Wurzeloberflächenkaries. In der EP war dies dagegen an 0,9±1,3 bzw. an 2,3±2,2Zähnen der Fall.

Schlussfolgerung: Durch eine Modifikation der häuslichen Mundhygiene in Form eines zweimaligen Auftragens fluoridhaltiger Zahnpasta kombiniert mit einer effizienten regelmäßigen parodontalprophylaktischen Nachsorge kann die Neubildung von Wurzeloberflächen- und Kronenrandkaries bei älteren Menschen deutlich verringert werden, die parodontalen Verhältnisse lassen sich stabilisieren bzw. verbessern.

(Dtsch Zahnärztl Z 2018; 73: 86–93)

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Ausgabe: 01/2018 Rugzan Jameel Hussein - Robert Krohn - Gerald Wilms
Systemische adjuvante Antibiotikagabe bei Wurzelkanalbehandlungen, Zahnextraktionen und Notfallleistungen in der zahnärztlichen Versorgung bei gesetzlich Versicherten in Deutschland

Einführung: In der zahnärztlichen Versorgung sind systemische Antibiotika bei bestimmten klinischen Konstellationen indiziert, z.B. bei Patienten mit einem Risiko für eine postoperative Infektion oder Ausbreitungszeichen einer lokalen, odontogenen Infektion. Laut zahnärztlichen Fachgesellschaften sind die Penicilline die Mittel der ersten Wahl in der Behandlung odontogener Infektionen.

Methode: In der Analyse wurden die Häufigkeit zahnärztlicher Antibiotikaverordnungen b ei Wurzelkanalbehandlungen (BEMA: 28, 29, 31, 32, 34, 35), Zahnextraktionen (BEMA: 43, 44) und Notfallbehandlungen (BEMA: 03) und die in diesem Zusammenhang verordneten Antibiotikawirkstoffe untersucht. Datengrundlage für die Analyse waren pseudonymisierte Abrechnungs- und Verordnungsdaten von gesetzlich Versicherten, die die genannten Leistungen im Jahr 2013 erhielten. Für die BEMA-Leistungen wurde auf Ebene der Patienten geprüft, ob ihnen im Rahmen ihrer zahnärztlichen Behandlung ein systemisches Antibiotikum vom Zahnarzt verordnet wurde. Die Antibiotikaverordnungen wurden nach der ATC-Klassifikation (J01) auf Ebene 4 und 5 analysiert.

Ergebnisse: Ca. 15% der Patienten mit einer Wurzelkanalbehandlung, 6,8% der Patienten mit einer Zahnextraktion und 21,5% der Patienten mit einer Notfallleistung erhielten im Jahr 2013 zusätzlich ein systemisches Antibiotikum. Das am häufigsten verordneten Antibiotikum bei den o.g. Leistungen ist Clindamycin (44,5–51,05%).

Diskussion und Schlussfolgerung: Die verordneten Antibiotika bei den o.g. Behandlungen können in bestimmten Ausnahmefällen gerechtfertigt sein. Wenn keine dieser Ausnahmen vorliegt, ist dies als ein möglicher Hinweis auf eine Überversorgung mit systemischen Antibiotika zu interpretieren. Zukünftige Studien sollten deshalb die zahnärztlichen Verordnungen zur Antibiotikagabe genauer untersuchen, z.B. bei welchen Diagnosen und bei welchem Risikoprofil der Patienten systemische Antibiotika verordnet werden und ob Unsicherheiten bei den Zahnärzten zur Antibiotikaindikation bestehen. Der vermehrte Einsatz des Ausweichantibiotikums Clindamycin in der zahnärztlichen Versorgung stellt eine Fehlversorgung mit Antibiotika dar. Gründe für den übermäßigen Einsatz von Clindamycin sollten in zukünftigen Studien untersucht werden.

(Dtsch Zahnärztl Z 2018; 73: 22–28)

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